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Gestern Samstag hatten wir im Theater Rigiblick Premiere mit „To the Dark Side of the Moon", einem Theaterabend, der sich mit der Rockgruppe Pink Floyd und einem Text des Autors Ray Bradbury auseinandersetzt.
In Bradburys Erzählung „Kaleidoskop" werden Astronauten aus einem Raumschiff geschleudert und fallen ihrem sicheren Tod entgegen. Nur der Funkkontakt bleibt. Beim Auseinandertreiben kommen trotz oder wegen der Todesangst alte Rivalitäten und Befindlichkeiten noch einmal zum Ausdruck, bevor alle Stimmen nach und nach verstummen. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens.
In den Song-Texten des Konzept-Albums setzen sich Pink Floyd mit den Themen Geld, Macht, Krieg, Zeit auseinander. Anhand des Schicksals ihres früheren Frontmanns Syd Barret fragen Pink Floyd: Was treibt uns in den Wahnsinn? Der Bassist Roger Waters schreibt: „Der Text des Albums ist so direkt und linear. Es geht um die fundamentale Frage, ob die Menschheit in der Lage ist, menschlich zu sein oder nicht."
Die Übereinstimmung der Themen in „Kaleidoskop" und „Dark Side" sind verblüffend und deckungsgleich bis zur überraschenden, berührenden und tief humanistischen Wendung am Ende von Bradburys Erzählung.
Das Konzeptalbum von Pink Floyd ist in den Abbey-Road-Studios von einem der besten Tontechniker aufgenommen und von einer ausgeklügelten technischen Qualität.
Um nicht mit der raffinierten Studiotechnik konkurrieren zu müssen, entscheiden Daniel Fueter, der musikalische Leiter des Theaterabends, und ich uns dazu, dass Daniel Fueter die Musik Pink Floyds in einer aufwändigen Arbeit für ein Streichquartett und Flügel arrangiert. Die Rechnung geht auf: In der grossartigen Adaption Fueters und der Intensität des Quintetts erfährt man die wunderbare Musik von Pink Floyd neu und lässt sich davon verzaubern.
Am Samstag also war Premiere. Ich fühle mich etwas leer. Wenn ich ein Projekt in Angriff nehme, dauert es in der Regel eine lange Zeit, bis es heranwächst, reift und zu einem Abschluss kommt. Begonnen hat es im Januar 2008 mit der Lektüre von „Spion aus dem All" von Walter Tevis, dem Roman, der dem Film „The man who fell to earth" mit David Bowie zu Grunde liegt. Damals begann eine lange Reise durch das Weltall, in der ich Zwischenlandungen auf dem Wüstenplaneten machte, mich mit Star Wars, Flash Gordon und verschiedensten Weltraum-Helden bekannt machte. Ich habe Comics gelesen, Filme geschaut, verfüge inzwischen über eine Sammlung von über 100 Space-Songs aus den Bereichen Rock, Pop und Schlager, angefangen von den Stones über Queen und Police bis hin zu den Beach Boys oder zu Udo Lindenberg und den Stars der Neuen Deutschen Welle. Mit der Space-Songs-Sammlung haben wir am vergangenen Silvester das Theater Rigiblick in ein Raumschiff verwandelt, um im Kommandoraum eine Weltraum-Revue zu veranstalten. Daneben schrieb Daniel Fueter an der Umsetzung von Dark Side für Piano und Streichquartett. Zwei Jahre Recherche. Ich bin in dieser Zeit den absonderlichsten Kreaturen begegnet, habe mich mit Eiswüsten, Gaswolken und Stickstoff-Feldern auseinandergesetzt. Gelandet bin ich nicht im Quadranten QX, sondern im Sonnensystem bei Pink Floyd und dem Satz „Everything is eclipsed by the moon". Und dann, ganz am Ende, ganz irdisch bei Ray Bradbury und in seiner poetischen Erzählung, in der ein kleiner Junge eine Sternschnuppe sieht und sich etwas wünschen darf.

Ich stehe in meinem Zimmer, sitze in meinem Zimmer in München, das mir die Kammerspiele zur Verfügung stellen und für Sekunden habe ich den authentischen Eindruck, nicht nur im Zimmer sondern gleichzeitig auf den schwarzen Holzplanken der Bühne der Kammerspiele zu stehen oder zu sitzen. Nach der ersten AMA vor ein paar Stunden, d.h. nach der ersten Probe Alles-Mit-Allem, mit Kostüm, Maske, Licht, Ton usw. war ich im Englischen Garten spazieren und bin jetzt zurück in meinem Zimmer und ... gleichzeitig auf der Bühne der Kammerspiele - da habe ich wohl irgendwas von dem Alles-Mit-Allem mit nach Hause genommen. Es fühlt sich an wie Schwindel. Nicht unangenehm, mir ist nicht schlecht, der helle Holzboden meines Zimmers ist schwarz wie der Bühnenboden und dreht sich langsam - oder der Raum dreht sich oder ich drehe mich ... . Das kommt davon, denke ich, wenn man mit Drehbühne und gleichzeitig ohne festgelegtes Stück oder festgelegten Text arbeitet. Wir stehen mit der Produktion Bonnie&Clyde kurz vor der Premiere und haben zwei Monate Proben, Beschäftigung mit einem Filmstoff hinter uns und sind mittlerweile jeden Tag auf der Originalbühne, die sich im Verlauf des Stückes öfter dreht, mal schnell, mal langsam, links rum, rechts rum. Die „Hardware" dreht sich und die „Software" besteht aus einem Film, aus bewegten Bildern also, aus dreidimensionalen Eindrücken. Da ist es kein Wunder, dass sich auch die Privatsphäre mal dreht und bewegt. Normalerweise arbeitet man am Theater mit Text als Grundlage.
Text vermittelt Linearität, das Gefühl von Geschichte. Damit sind wir vertraut. Text erklärt uns, in welcher Geschichte wir uns befinden. Diese Grundlage haben wir bei Bonnie&Clyde nicht. Der Film bildet unseren Bezugsrahmen, er ist offen und grenzenlos. Vielleicht stehe ich deswegen schwindlig im Zimmer; weil mir der gewohnte Boden fehlt; weil die gewohnte Sicherheit schwindet. Schwindel. Vielleicht ist mir auch nur schwindlig vom vielen Schwindel-Produzieren.
Dafür werde ich bezahlt. Die Zuschauer bezahlen ja dafür beschwindelt zu werden, schwindlig gemacht zu werden. Sie bezahlen dafür, dass wir ihren Alltag schwinden machen. Und ehrlich gesagt, finde ich auch, dass es nicht nur etwas Bestechendes hat, zu schwindeln, sondern auch reizvoll ist, beschwindelt zu werden. Solange es charmant geschieht. Ich glaube sogar, dass wir Menschen beschwindelt werden wollen, solange es nicht weh tut. Nach Slavoj Zizek in „The Pervert's Guide To Cinema" ist es so, dass „die ultimative Aussage der Psychoanalyse (die) ist, dass Gefühle selbst betrügerisch sind. Es gibt keine speziell falschen Gefühle, denn, wie Freud es genau darlegt, das einzige Gefühl, das nicht betrügerisch ist, ist die Ängstlichkeit. Alle anderen Gefühle sind falsch." Da wäre es nur einleuchtend auf Schwindel, anstatt auf Ängstlichkeit zu setzen. Schwindel. Vielleicht beschreibt Schwindel auch nur den Übergang oder Wechsel von einem Bewusstseinszustand in einen andern. Dazu fällt mir Albert Hofmann ein, der die Psyche des Menschen anschaulich als Radioempfänger beschrieben hat, mit dem wir in der Regel auf einer für alle ähnlichen Frequenz eine in etwa gleiche Sendung empfangen. Es sei aber möglich, durch Frequenzwechsel andere, neue und aussergewöhnliche Sendungen zu empfangen. Er meinte damit, dass es durchaus möglich sei, andere als die tradierte und für uns gewohnte Realität wahrzunehmen. Schwindel. Schwindeln. Schwinden ... .
Ich verschwinde jetzt als Gastblogger von kulturplatz und möchte mich bedanken bei allen, die sich die Zeit genommen haben, meine Blogs zu lesen.

Der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek sagt in „The Pervert's Guide To Cinema", seinem unterhaltsamen und lohnenswerten dreiteiligen Filmbeitrag zur Kunstgattung Kino:„Sehnsucht ist eine Verletzung der Realität." Bedeutet uns Sehnsucht demnach, dass die Realität nicht heil ist, dass ihr etwas fehlt? Etwas wie eine Wunde, die juckt und die wir gerne immer wieder aufkratzen, bevor sie ganz verheilt? „Die Kunst des Kinos besteht darin, Sehnsucht zu generieren, mit der Sehnsucht zu spielen. Sie aber gleichzeitig in sicherer Entfernung zu halten, sie zu zähmen, sie deutlich werden zu lassen."
Der Film Bonnie&Clyde spielt mit der Sehnsucht, durch ein wildes und verrücktes Leben und einen spektakulären Tod, in Erinnerung zu bleiben - unsterblich werden und dann sterben! Wir steuern bei unserer Inszenierung auf das Ende zu. Wie werden wir diese Reise zu Ende bringen? Wie werden Bonnie&Clyde an den Münchner Kammerspielen sterben? Ich weiss es nicht. Ich gehe davon aus, dass wir weiter wie bisher auf den Proben improvisieren und diskutieren werden, erkunden und erforschen, welche Texte, Spielformen, Musik, Räume, Fantasien sich als richtig erweisen und zusammen passen, um diese Geschichte zu Ende zu erzählen.
Zu unserer Arbeitsweise und Inszenierung fällt mir noch mal Slavoj Zizek in „The Pervert's Guide To Cinema" ein (als er Gemeinsamkeiten zwischen den Werken einiger grosser Filmregisseure erläutert, ohne unsere Arbeit in irgendeiner Weise mit diesen Meistern vergleichen zu wollen):„Meiner Ansicht nach haben wir es hier mit einer Art filmischem (in unserem Fall: theatralischem) Materialismus zu tun, dass wir unter der Bedeutungsebene, spiritueller Bedeutung, aber auch einfacher narrativer Bedeutung, eine grundlegendere Ebene von eigentlichen Formen finden, die miteinander kommunizieren, interagieren, hallen und widerhallen, sich verwandeln und ineinander übergehen. Und dieser Hintergrund, dieser Hintergrund einer Proto-Realität ist etwas Reales, das dichter und fundamentaler ist als die narrative Realität, die Geschichte, der wir zusehen. Das ist es, was die wahre Dichte des filmischen (theatralischen) Erlebens liefert."
Dieser Hintergrund wird bei uns geprägt durch den persönlichen Einsatz aller Beteiligten auf, hinter und vor der Bühne. Natürlich spielt das in jeder Theaterarbeit eine Rolle und ist bei jeder einzelnen Aufführung präsent und spürbar. Je empfänglicher und neugieriger wir allerdings mit den verschiedenen Formen während der Proben umgehen - mit den unterschiedlichen Auffassungen der Schauspieler zum Stück, den unterschiedlichen Arten zu spielen, der individuellen Scham, dem individuellen Wagnis etc. - mithin der oben erwähnten Proto-Realität, desto stärker wird sie den Theaterabend prägen. Ich kann sagen, dass bei unseren Proben dieser Neugier eine grosse Wichtigkeit zukommt und das gefällt mir gut. Es ist, als ob wir eine Reise gebucht hätten, ohne zu wissen, wo genau sie uns hinführt - also keine Pauschalreise. Wir erkunden die Reiseroute, die Wege, die Hindernisse, die Geologien, die Klimabedingungen usw. und die Destination während wir unterwegs sind. Das ist alles nicht ohne Risiko, aber es ist aufregend und passt zum Stoff, den wir auf die Bühne bringen: Bonnie&Clyde. No risk, no fun!
„Unser Problem lautet nicht: Werden unsere Sehnsüchte befriedigt? Das Problem lautet: Woher wissen wir, was wir ersehnen? Menschliche Sehnsucht ist nichts Spontanes, nichts Natürliches. Unsere Sehnsucht ist künstlich. Man muss uns beibringen, uns nach etwas zu sehnen. Das Kino ist letztlich eine völlig perverse Kunstform. Es gibt einem nicht, was man sich wünscht, sondern lehrt die Sehnsucht." Ich glaube, dass das, was Slavoj Zizek über Kino sagt, in gewisser Weise für jede Kunstgattung gilt, sei es Musik, bildende oder darstellende Kunst. Wenn eine Theateraufführung beim Zuschauer echte Sehnsucht weckt, dann ist viel gelungen.
Samstag, 23.01.2010 München - Basel:
Unterwegs im Zug zwischen Ulm und dem Bodensee... Seit gestern sind wir mit „Bonnie & Clyde" nicht mehr auf der Probebühne, sondern auf der Originalbühne der Münchner Kammerspiele und wir spüren, dass die Premiere näher rückt, und so fehlte mir die Zeit, diesen Blog noch vor dem Wochenende fertig zu schreiben.
Donnerstag, 21.01.2010 Nach der Probe „Sterbeszene Buck Barrow":
... von München kommend unterwegs im Intercity zwischen Flughafen Zürich und Solothurn. Schönes Reisewetter, Sonne, leicht verschneite Landschaft... . Ich bin gerne im Zug unterwegs. Oft lerne ich Text im Zug, weil's mir leichter fällt, wenn ich unterwegs bin. Andere lernen Text in einer Kneipe, mit viel Betrieb und lebhaften Menschen um sich rum. Ich bevorzuge die Bewegung. Meistens bin ich dabei allerdings zu Fuss unterwegs, gerne auch in der Natur. Textlernen wird so zu einem körperlichen Vorgang. Das hilft mir, dem Sprachrhythmus auf die Schliche zu kommen. So habe ich auch heute früh für „Bucks" Sterbe-Szene in „Bonnie & Clyde" meinen Text gelernt. Buck Barrow, den ich spiele, ist Clyde's Bruder und der Erste aus der Bande, der im Kugelhagel der Polizei stirbt. Kugelhagel und Schiesserei auf der Bühne sind meistens fragwürdig und eher lächerlich. Im Film ist das einfacher, nicht nur weil man technisch „schummeln" kann, sondern, weil Film eben, wie John Berger sagt, den Zuschauer woandershin, in eine andere Realität entführt. Film suggeriert in der Regel Realität. Das ist im Theater so nicht möglich und deswegen suchen wir für Schiesserei und Flucht vor der Polizei eher nach einer Verfremdung. Möglicherweise wird aber dann wichtig sein, die Folge der Schiesserei, nämlich das Sterben, emotional zu spielen. Buck wird in Clyde's Armen sterben. Um das ernsthaft probieren zu können, muss ich den Text frei zur Verfügung haben und kann mich nicht dauernd an den Souffleur wenden - also machte ich mich heute früh auf zu einem Spaziergang durch München. Um diese Zeit ist München wunderbar wie jede erwachende Stadt. Alles noch ziemlich ruhig. Menschen, die schon unterwegs sind, schauen in der Regel frisch aus, haben den Tag noch vor sich. Eine gewisse Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit liegt noch in der Luft. Das hilft mir, mich zu orientieren und auf den Text zu konzentrieren.

Freitag, 22.01.2010 nach der Premiere von „Zwerge Sprengen":
... wieder im Zug von Solothurn zurück nach München ... . Die Premiere von „Zwerge Sprengen" gestern Abend war hervorragend! Es hat grossen Spass gemacht! Bisher hatte ich erst einen frühen Rohschnitt und den auch nur auf einem Bildschirm gesehen. Die Wirkung auf der grossen Leinwand ist unvergleichlich besser. Und das Publikum in Solothurn war toll! Ich hatte den Eindruck, die Zuschauer gingen voll mit den Doppel- und Dreifachbödigkeiten unserer Geschichte und mit dem Witz von Christofs Dialogen. Es wurde geschmunzelt und gelacht, manchmal auch an Stellen, die ich während des Drehs überhaupt nicht komisch fand, und zum Schluss gab's langen und kräftigen Applaus - was will man mehr! „Zwerge Sprengen" ist ein richtig schöner Schweizer Film geworden. Christof Schertenleib führt den Zuschauer unauffällig, schon fast hinterlistig durch eine Welt, die wir Schweizer gut kennen: Die heile Welt der Familie Schöni, in der Freundlichkeit auch schon mal aggressiv eingesetzt wird und sich Toleranz mitunter als Scheintoleranz entpuppt. „Ein Schweizer Film mit Charme und Schalk ..." - „Wieder mal ein Schweizer Film mit Leichtigkeit und Humor ..." - herrlich, das habe ich gestern Abend nach der Premiere oft gehört, und besser könnte ich selbst den Film nicht charakterisieren - "Französische Leichtigkeit ...".


Die Stimmung anschliessend bei der Eröffnungsparty war heiter und angeregt, alle waren gut gelaunt. Max Gertsch und ich, die wir die beiden Brüder im Zentrum der Geschichte spielen, wiederholten für die Fotografen ein paar Mal unser Rauchritual aus dem Film ... . Alles mit ein bisschen rotem Teppich aber nicht zuviel und in Gesellschaft der Kollegen, die ich zuletzt im September 2008 beim Dreh gesehen hatte ... . Die Reise nach Solothurn hat sich gelohnt. Jetzt sitze ich wieder im Zug nach Zürich Flughafen ... .
Beim Abschied am nächsten Morgen war Solothurn nichts mehr von der gestrigen Festivalstimmung anzumerken - oder noch nicht: ein paar Festivaltage mehr voller Filme und Cinéasten und Cinéphilen werden ohne Zweifel ihren Eindruck hinterlassen.
Seit Dezember reise ich wieder öfter zwischen Basel, Zürich und München hin und her. In Basel lebe ich mit meiner Familie, in Zürich spiele ich „Der Revisor" und in München probiere ich seit Dezember an den Kammerspielen „Bonnie&Clyde". Regie führt Barbara Weber und Dramaturg ist Matthias Günther, mit dem ich einige Arbeiten am Theater Basel gemacht habe. An Barbara und Matthias gefallen mir ihr unvoreingenommener und unkomplizierter Umgang mit Stoffen und Schauspielern.

Es ist klar, dass wir den Film BONNIE&CLYDE von Arthur Penn nicht einfach nachspielen werden, das wäre unsinnig, sondern wir werden eine Geschichte erzählen, die eher einem Erforschen bestimmter Mythen, die durch den Film aufscheinen, gleichkommen wird. Dazu gehört auch, dass wir Material aus anderen Filmen, die stark von BONNI&CLYDE beeinflusst worden sind, mit einbeziehen.
Auf der Suche nach Texten und Sekundärliteratur zu diesen Filmen und zu Film grundsätzlich bin ich wieder auf einen Autor gestossen, den ich sehr schätze: John Berger.
Im zweiten Essay „Ev'ry Time We Say Goodbye" aus seinem Erzählband BEGEGNUNGEN UND ABSCHIEDE/ÜBER MENSCHEN UND BILDER (John Berger, Fischer Taschenbuch Verlag, 2000) schreibt John Berger über die Unterschiede zwischen einem Gemälde, Theater und Kino:
„(...) Das gemalte Bild macht das, was abwesend ist - hat es sich doch in weiter Ferne oder vor langer Zeit zugetragen - gegenwärtig. Das gemalte Bild bringt, was es abbildet, ins Hier und Jetzt. Es sammelt die Welt und bringt sie nach Hause. (...) Weil seine Bilder sich bewegen, bringt uns das Kino fort von der Stelle, wo wir uns befinden, hin zum Schauplatz der Handlung (Action! Murmelt oder brüllt der Regisseur, um die Szene in Bewegung zu setzen.) Malerei bringt nach Hause. Das Kino versetzt nach anderswo. Vergleichen wir nun das Kino mit dem Theater. Beide sind dramatische Kunstgattungen. Theater bringt Schauspieler vor ein Publikum, und diese Schauspieler füllen eine Spielzeit lang allabendlich dasselbe Drama mit Leben. Dem Theater wohnt von seinem tiefsten Wesen her ein Grundgefühl ritueller Wiederkehr inne. Im Gegensatz dazu versetzt das Kino sein Publikum als Individuen, als einzelne aus dem Theater hinaus ins Unbekannte. (...) Die Leinwand ist, sobald die Lichter ausgehen, keine Fläche mehr, sondern ein Raum. Keine Wand, (...) sondern eher wie ein Himmel. Ein Himmel, erfüllt von Begebenheiten und Menschen. Wo sonst sollten Filmstars herkommen, wenn nicht aus dem Himmel? Am Ende eines Theaterstücks legen die Schauspieler die Rollen ab, die sie gespielt haben, und treten ins Rampenlicht, um sich zu verbeugen. Der Applaus, der ihnen gezollt wird, ist ein Zeichen der Anerkennung dafür, dass sie an diesem Abend das Drama ins Theater gebracht haben. Am Ende eines Films müssen die Protagonisten, die noch am Leben sind, ihrer Wege gehen. Wir sind ihnen gefolgt, ihnen hinterher gepirscht, und dort draussen müssen sie sich uns schliesslich entziehen. Das Kino handelt unablässig vom Fortgehen. „Wenn es eine Ästhetik des Kinos gibt", hat René Clair gesagt, „dann lässt sie sich in einem Wort zusammenfassen: Bewegung." Bewegte Bilder - mit einem Wort: movies. Vielleicht halten deshalb so viele Pärchen im Kino einander die Hand, was sie im Theater nicht tun. Eine Reaktion auf die Dunkelheit, sagt man. Vielleicht auch eine Reaktion auf das Reisen. Kinosessel sind wie Sitze im Flugzeug. (...) "
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Es lohnt sehr und ist ein Vergnügen, John Berger zu lesen. Seine Aufsätze in DAS LEBEN DER BILDER ODER DIE KUNST ZU SEHEN (Berlin 1981), z.B. sind wunderbare und packende „Reiseführer" zu Werken grosser bildender Künstler. „Eine Schule des genauen Sehens, die in der zeitgenössischen Prosa nicht ihresgleichen hat" (aus dem Klappentext einer seiner Essaybände).
Die zweite Frage der „kulturplatz"-Redaktion an mich war, ob ich weiss, was ein Blog sei ... . „Naja, vom Hörensagen...". Und zack, habe ich als Gastblogger Gelegenheit, das Wesen des Bloggens aus nächster Nähe kennen zu lernen... .
Nur... was anfangen mit dieser Plattform? Es wird schon soviel gedruckt, gesendet, öffentlich geschrieben, gesagt und gemeint - was gäbe es dem ganzen Veröffentlichungsfuror hinzuzufügen ...? Eine Hilfe ist die Bemerkung des Redakteurs, dass ich im Zusammenhang mit „DER REVISOR", der zur Zeit am Schauspielhaus Zürich gespielt wird, für den Blog angefragt worden bin und im Zusammenhang mit „ZWERGE SPRENGEN", dem Film, der die diesjährigen Solothurner Filmtage eröffnen wird.
„ZWERGE SPRENGEN", ein Film von Christof Schertenleib in der Produktion von FamaFilm, handelt von einer Pfarrers Familie im Emmental, die sich einmal im Jahr zum schönen Brauch des Zwergen--?Sprengens zusammen findet. Ich spiele einen der beiden Pfarrerssöhne, die für die Sprengladungen verantwortlich sind .... . Aber über die „ZWERGE" möchte ich erst nach der Premiere in Solothurn am 21. Januar schreiben, nachdem ich die Zuschauerreaktionen mitgekriegt habe - da bin ich neugierig.

Dann also zum „REVISOR" am Schauspielhaus Zürich: Ich darf da als Stadtpräsident vulgär vom Leder ziehen zusammen mit den herrlich aufgelegten Kollegen Julia Kreusch, Franziska Machens, Ludwig Boettger, Gottfried Breitfuss, Matthias Bundschuh, Nicolas Rosat, Tim Porath, Victor Calero, Patrick Güldenberg, Niklas Kohrt, Sean McDonagh und Judith Cuenod (warum nicht den Blog gleich benützen, um die Kollegen, zu erwähnen, die genauso am Gelingen der Aufführung beteiligt sind wie ich ... ? dazu gehören natürlich auch der Regisseur Sebastian Nübling, die Ausstatterin Muriel Gerstner und der Musiker Lars Wittershagen, die Dramaturgin Katja Hagedorn und das Schauspielhaus Zürich, ein feiner Arbeitsplatz).
Die „REVISOR" Vorstellung hat etwas total Befreiendes. Jedes Mal geht die Post ab und das Tolle ist, dass die Post erst so richtig dank der Zusammenarbeit mit dem Publikum abgeht: Wir lassen die Sau raus, die Spiegelneuronen tun ihre Arbeit bei den Zuschauern und diese lachen dann schadenfroh und/oder befreit aus tiefstem Bauch und voller Kehle laut raus. Wir kreieren also eine gemeinsame, abendliche Befreiung alkohol- und auch sonst drogenfrei! Wo, ausser im Theater gibt's das noch? (Natürlich gehen nicht ganz alle Zuschauer positiv begeistert aus der Vorstellung, einige möglicherweise negativ be?geistert und ein paar Wenige vielleicht überhaupt nicht be-geistert , sondern nur verärgert ... . Macht nichts - wir müssen ja nicht alle das Heu auf der gleichen Bühne haben.)
Mir fällt auf, dass das Publikum nebst Kabinettstückchen meiner Kollegen einige aktuelle Anspielungen besonders schätzt. Da wird jeweils, ich möchte fast sagen, explosionsartig losgelacht. Bei diesen Anspielungen handelt es sich u.a. um lockere Gedächtnisstützen zur Minarett?Initiative. Nicht dass sie von überwältigendem Erfindungsgeist wären. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Schauspielhausbesucher zu diesem Thema alle einer Meinung sind. Ich denke eher, dass sich da etwas durch Lachen Luft verschaffen will und kann - vielleicht das Unbehagen über einige Tabus, die durch das Abstimmungsresultat unterm Teppich hervorgekehrt worden sind? Oder das Schweigen über dieses Unbehagen trotz Empörung auf der einen Seite und Triumphgeheul auf der anderen Seite direkt nach der Abstimmung ... ? Jedenfalls hören sich diese schallenden Lacher des Publikums jeweils nicht nach Schadenfreude über neue schweizerische Bauvorschriften an ... . Oder?
Wer sich zu dem Thema Luft verschaffen oder mehr und unterschiedliche Meinungen dazu hören will, hat am Sonntag 17. Januar 2010 um 18:00 Uhr Gelegenheit, im Schauspielhaus/Pfauen Zürich an dem Podiumsgespräch - „Wie weiter nach dem Minarettverbot?" teilzunehmen. Der Eintritt ist frei. Ich persönlich finde, dass zu diesem Thema zwar schon Vieles gesagt, aber sicher noch nicht alles und vor allem nicht „einander" alles gesagt worden ist. Die Veranstaltung am Schauspielhaus bietet eine Möglichkeit dafür, und hoffentlich hält die Aufregung um das Abstimmungsresultat noch weiter an, geht das Gerede darüber und vor allem das Reden zueinander darüber noch lange weiter. Wäre schade, wenn der Teppich einfach so mir nichts Dir nichts wieder über alles gelegt würde.
Danke fürs Lesen und gutes Gelingen, bis zum nächsten Blogeintrag.

Vier starke Persönlichkeiten walten und schalten im Hintergrund. Jeder ist in seinem Bereich der Fachmann, die Fachfrau schlechthin!

An einem Auftrittstag beginnt ihre Arbeit um 7 Uhr morgens und endet manchmal um 4.00 Uhr (wieder morgens). Die Präsenzzeit ist enorm. Die Oberarm-Muskulatur ebenfalls.

Liebe Doris, lieber Richi, Helle und Gerry!

Ihr habt uns durch den ersten Tour-Block gestemmt, gefahren, montiert und wieder abgebaut. Danke für Euren unglaublichen Einsatz!
Eure Gessler Zwillinge

Schnapschüsse im Backstage-Bereich ist etwas herrliches! Ja „herrlich". Und das wollen wir Euch nicht vorenthalten! Da werden fein säuberlich Zähne geputzt, da wird gekämmt, mit Gel jede Locke in Form gebracht und kurz vor dem Auftritt den fliderfarbenen Kummerbund rund um den Waschbär-Bauch geschnallt.


Fertig ist unsere Triple B Big Band, die wir aus der Konkursmasse eines schwer angeschlagenen Triple A Orchesters gerettet haben! Aber für uns ist jeder einzelne ein Triple A!!!!
We love you all!
Eure Gessler Zwillinge

Mit dem Essen während einer Tournée ist es so eine Sache. Jedenfalls keine einfache! Im Gegenteil, wir denken es ist fast das komplizierteste was es geben kann. Wann soll man essen? Und was?

Vor dem Auftritt eine Mahlzeit einzunehmen ist sowieso für die meisten Künstler undenkbar. Also isst man danach eine „Kleinigkeit"....und weil's so schön ist, trinkt man doch gleich zwei drei Gläser dazu. Und da man nach dem Essen nicht gleich schlafen kann, wird vor dem Fernseher noch verdaut. Und plötzlich ist es 4 Uhr morgens ... und unweigerlich wird der Tag zur Nacht. Die Ringe trägt man bald nicht mehr an den Fingern sondern auch unter den Augen und die Gesichtsfarbe weicht und verblasst.

Nicht mit uns! Lieber essen wir aus der kleinen Karte einen Wurst-Käse-Salat und stellen geschickt im richtigen Moment das Mikroport kurz aus, damit das „Bäuerchen" nicht noch verstärkt durch den Saal klingt.
Es lebe der Wurstsalat!
Eure Gessler Zwillinge
Auftritt in der Bärenmatte Suhr
Buddy Casino hat alles gegeben! 5 Minuten vor Showbeginn sogar hergegeben ... Doch er hat tapfer durchgehalten.
Wir hatten einen fulminanten Auftritt in Suhr. Aber ohne Pianisten geht halt gar nix. Das Showbusiness ist eben gnadenlos ... danke lieber Buddy!
We love you
Deine Gessler Zwillinge




