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9.2.2010 10:36

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Nach der Premiere

To the Dark Side of the Moon

Am Samstag hatten wir im Theater Rigiblick Premiere mit „To the Dark Side of the Moon", einem Theaterabend, der sich mit der Rockgruppe Pink Floyd und einem Text des Autors Ray Bradbury auseinandersetzt.
In Bradburys Erzählung „Kaleidoskop" werden Astronauten aus einem Raumschiff geschleudert und fallen ihrem sicheren Tod entgegen. Nur der Funkkontakt bleibt. Beim Auseinandertreiben kommen trotz oder wegen der Todesangst alte Rivalitäten und Befindlichkeiten noch einmal zum Ausdruck, bevor alle Stimmen nach und nach verstummen. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens.
In den Song-Texten des Konzept-Albums setzen sich Pink Floyd mit den Themen Geld, Macht, Krieg, Zeit auseinander. Anhand des Schicksals ihres früheren Frontmanns Syd Barret fragen Pink Floyd: Was treibt uns in den Wahnsinn? Der Bassist Roger Waters schreibt: „Der Text des Albums ist so direkt und linear. Es geht um die fundamentale Frage, ob die Menschheit in der Lage ist, menschlich zu sein oder nicht."
Die Übereinstimmung der Themen in „Kaleidoskop" und „Dark Side" sind verblüffend und deckungsgleich bis zur überraschenden, berührenden und tief humanistischen Wendung am Ende von Bradburys Erzählung.

Das Konzeptalbum von Pink Floyd ist in den Abbey-Road-Studios von einem der besten Tontechniker aufgenommen und von einer ausgeklügelten technischen Qualität.
Um nicht mit der raffinierten Studiotechnik konkurrieren zu müssen, entscheiden Daniel Fueter, der musikalische Leiter des Theaterabends, und ich uns dazu, dass Daniel Fueter die Musik Pink Floyds in einer aufwändigen Arbeit für ein Streichquartett und Flügel arrangiert. Die Rechnung geht auf: In der grossartigen Adaption Fueters und der Intensität des Quintetts erfährt man die wunderbare Musik von Pink Floyd neu und lässt sich davon verzaubern.

Am Samstag also war Premiere. Ich fühle mich etwas leer. Wenn ich ein Projekt in Angriff nehme, dauert es in der Regel eine lange Zeit, bis es heranwächst, reift und zu einem Abschluss kommt. Begonnen hat es im Januar 2008 mit der Lektüre von „Spion aus dem All" von Walter Tevis, dem Roman, der dem Film „The man who fell to earth" mit David Bowie zu Grunde liegt. Damals begann eine lange Reise durch das Weltall, in der ich Zwischenlandungen auf dem Wüstenplaneten machte, mich mit Star Wars, Flash Gordon und verschiedensten Weltraum-Helden bekannt machte. Ich habe Comics gelesen, Filme geschaut, verfüge inzwischen über eine Sammlung von über 100 Space-Songs aus den Bereichen Rock, Pop und Schlager, angefangen von den Stones über Queen und Police bis hin zu den Beach Boys oder zu Udo Lindenberg und den Stars der Neuen Deutschen Welle.  Mit der Space-Songs-Sammlung haben wir am vergangenen Silvester das Theater Rigiblick in ein Raumschiff verwandelt, um im Kommandoraum eine Weltraum-Revue zu veranstalten. Daneben schrieb Daniel Fueter an der Umsetzung von Dark Side für Piano und Streichquartett. Zwei Jahre Recherche. Ich bin in dieser Zeit den absonderlichsten Kreaturen begegnet, habe mich mit Eiswüsten, Gaswolken und Stickstoff-Feldern auseinandergesetzt. Gelandet bin ich nicht im Quadranten QX, sondern im Sonnensystem bei Pink Floyd und dem Satz „Everything is eclipsed by the moon". Und dann, ganz am Ende, ganz irdisch bei Ray Bradbury und in seiner poetischen Erzählung, in der ein kleiner Junge eine Sternschnuppe sieht und sich etwas wünschen darf.

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