9.3.2010 06:53

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Geister an Bord

Am Silvester 2007 war das Theater Rigiblick ein Kreuzfahrtschiff. Wir zeigten eine Revue, bei der es an Bord der „MS Rigiblick" die Richtung Datumsgrenze lief, im grossen Ballsaal zu zahlreichen Unfällen und Komplikationen kam. Mit von der Partie waren als Kapitänin Regierungsrätin Regine Aeppli, als Star-Opernsänger Regierungsrat Markus Notter und als Bordmechaniker im Blaumann und mit Helm bestückt der Finanzvorstand der Stadt Zürich, Martin Vollenwyder.

Im Laufe der Revue schlichen sich immer mehr Katastrophen ein, bis die Leitung der MS Rigiblick beim grossen Finale eingreifen musste.

Bei Theatervorgängen sind Missgeschicke spannend. Über sie kann man lachen, weinen, sich den Kopf zerbrechen. Wenn alles reibungslos läuft, wird es langweilig. Bei Proben lege ich mir als Schauspieler bewusst Hindernisse in den Weg, damit ich Geschichten erzählen kann.

Stellen Sie sich vor, Goethes Zauberlehrling hätte die Geistesgegenwart besessen, den Stöpsel zu ziehen, nachdem der Besen die ersten Eimer Wasser in die Wanne gekippt hatte. Wie langweilig, wenn sich der Bottich nicht drohend gefüllt, die Holzstücke furchterregend vervielfältigt, das Wasser nicht beängstigend gestiegen, wenn nicht als Deus ex machina der grosse Hexenmeister gekommen wäre.

Auch im Rigiblick haben wir in den vergangen fünf Jahren immer wieder Geister gerufen, deren wir manchmal fast nicht mehr Herr geworden wären. Im Betriebsbüro drohte wegen der massiven Häufung von Anfragen von Gruppen der Kollaps, beim Ticketing kamen wir an den Anschlag, wegen der zunehmend komplexen Bühnenbilder rang die technische Leitung mehr als einmal die Hände.

Immer wenn es wieder einmal dramatisch war, halfen uns gute Geister. Mittlerweile ist eine Familie aus Künstlerinnen und Künstlern, aber auch aus Zuschauerinnen und Zuschauern an Bord der MS Rigiblick zusammen gewachsen.

Wenn ich gerade dabei bin: Ein guter Geist an Bord der MS Rigiblick war Uta Kenter. Ihr sorgfältiger Beitrag über „To the Dark Side of the Moon" im Kulturplatz hat uns Wohlwollen beschert. Dafür sei Ihr hier im Abschiedsblog gedankt.

Grand Salon von Valentin Lustig

Vor gut einer Woche war im Foyer des Theater Rigiblick die Vernissage des Künstlers Valentin Lustig mit seinem fünfteiligen Bilderzyklus „Kapitän Nemo's Harem". Die fantasievollen Bilder finden beim Theaterpublikum grossen Anklang. Auf dem vierten Bild „Grand Salon" ist ein Stuhl zu sehen, auf dem die Uniform Nemo's liegt. Aber wo ist Nemo selber?

Detail aus Grand Salon von Valentin Lustig

Die fünf Bilder Valentin Lustigs beherbergen siebzig Haremsdamen, aber auf keinem Bild taucht Kapitän Nemo selber auf. Eine These dazu ist, dass Nemo von seinen Frauen umgebracht wurde. Eine weitere These ist, dass er sich mit einer Haremsdame in einem nicht zu sehenden Zimmer vergnügt. Da im ersten Bild des Zyklus, nämlich der „Küche", viel Gemüse auf dem Boden liegt, schmunzelte gestern Urs Widmer, dass sich Nemo vielleicht im Gemüsegarten aufhält. Vielleicht aber ist Kapitän Nemo ganz einfach nur von Bord gegangen und hat sich verabschiedet.

Und dabei sind wir beim Stichwort: ich verabschiede mich jetzt auch, verlasse den Blog und gehe an Land. Ein Monat war ich Blog-Kapitän des Flagschiff Kulturplatz. Naja, vielleicht war ich ja auch nur der Klabautermann ... .


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