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    <title>kulturplatz-Blog mit Christoph Marti, auch bekannt als Ursli Pfister</title>
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    <title>Linda</title>
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    <published>2010-03-19T07:37:51Z</published>
    <updated>2010-03-19T13:36:41Z</updated>

    <summary>Mein Mann und ich sind in einer Gästewohnung untergebracht, einer Doppelhaushälfte mit großem Garten, direkt am Waldrand gelegen. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir das erste Mal zur Tür reinkamen. Mit Gästewohnungen kennen wir uns aus, vom finstersten Loch...</summary>
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        <name>Christoph Marti</name>
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        <![CDATA[<p>Mein Mann und ich sind in einer Gästewohnung untergebracht, einer Doppelhaushälfte mit großem Garten, direkt am Waldrand gelegen. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir das erste Mal zur Tür reinkamen. Mit Gästewohnungen kennen wir uns aus, vom finstersten Loch bis zur 5 Sterne Suite im Grand Hotel haben wir in den Jahren unseres Tourneelebens alles gehabt. Diesmal hatten wir besonders Glück. Das Haus ist vom Keller bis unters Dach komplett eingerichtet. Sehr wohnlich, sehr Schweizerisch. Im ersten Stock, in den eine knarrende, ums Eck geschwungene Holztreppe hinaufführt, befinden sich neben einem Bad drei Schlafzimmer. Eins davon ist eindeutig das Elternschlafzimmer mit einer Garnitur aus&nbsp; Ehebett, Kleiderschrank, Kommode und zwei Nachttischchen. Alles ist gut erhalten und sorgfältig gepflegt, das sieht man sofort. Rechts und links daneben sind zwei kleinere Schlafzimmer, wahrscheinlich die für die Kinder, einst. Ich habe mich für das rechts entschieden, es ist etwas kleiner als das andere, hat nur ein Fenster und weist Spuren eines Bubenzimmers auf. Ein großformatiges Poster mit einer exotischen Insel drauf . Balù, sage ich mir. Eine Bettzeugtruhe. Eine Deckenlampe aus orangefarbenem Plastik, die einmal sehr poppig gewesen sein muss.&nbsp; Im Parterre befindet sich neben der Küche eine Stube mit Couchgarnitur, Stehlampe, Vaters Schreibtisch, einem großen Esstisch, einem Buffet&nbsp; mit dem „guten Geschirr", dem Silber und den Kristallgläsern darin, in der Küche in den Schränken dann das gelbe Rössler Geschirr - das alles erinnert mich ein wenig an die Wohnungseinrichtung meiner Urgrossmutter aus den 60er Jahren. Es fehlt an nichts. Sogar ein Fonduegeschirr samt Rechaud und Caquelon steht hier für uns bereit.</p>
<p><img class="mt-image-none" height="378" alt="blaue Tasse" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/TASSE.bmp" width="378" /></p>
<p>Nachdem wir uns in unserem neuen Zuhause eingelebt hatten, hab ich angefangen mich zu fragen, wer wohl die Leute sind, die hier einmal gelebt haben. Die Wohnung wurde uns übers Theater vermietet, wir haben die Besitzer nie persönlich getroffen. Wo sind die Leute jetzt, warum haben sie ihre Sachen nicht mitgenommen dahin, wo sie jetzt sind? In einem der Küchenschränke habe ich eine blaue Tasse aus Keramik gefunden, auf der in weißer Schrift der Name Linda geschrieben steht. Ich trinke meinen Tee aus dieser Tasse, nachmittags, wenn wir dazu kommen. Wer ist Linda, wer mag sie sein?</p>
<p>Irgendwann haben wir dann doch mehr erfahren. Mein Mann musste den Besitzer telefonisch kontaktieren. Aus dem Kamin kam auf einmal, vorwiegend nachts, ein lautes und etwas unheimliches Geräusch, ein lautes Klopfen, Metall auf Metall, wir konnten es nicht orten und konnten es vor allem nicht stoppen. Wir mussten den Besitzer bitten, den Kaminfeger zu bestellen und haben dabei folgendes erfahren. Eine Familie mit zwei Kindern hat hier gelebt, die Kinder sind längst erwachsen, der Sohn und heutige Besitzer hat eine eigene Familie gegründet, die Tochter - vielleicht Linda? lebt heute in den USA. Nachdem die Eltern gestorben sind haben die Kinder beschlossen, das Haus samt Einrichtung zu vermieten und sich zu dem Zweck ans Theater gewendet. Ein Theater engagiert ja häufig Gäste, die nur für eine Produktion verpflichtet werden und die untergebracht werden müssen. Verkaufen wollten die Kinder das Haus nie, die Tochter kommt im Sommer jeweils für ein paar Wochen zurück in die Schweiz, vielleicht wird sie sogar einmal wieder ganz hierher zurückziehen. Dann soll ihr altes Zuhause ihr neues sein.</p>
<p>Ihr Bruder, der heutige Besitzer, hat uns schon dreimal einen Kuchen gebracht. Einmal zur Begrüßung, einmal wegen dem Ärger, den wir mit dem Kamin hatten und einmal einfach so, wohl weil Wochenende war. Gesehen haben wir den Bruder nie, der Kuchen - es ist jedes Mal ein anderer, und er schmeckt jedes Mal sehr gut - stand einfach auf dem Fenstersims. Seine Frau wird ihn gebacken haben. Ich finde das rührend, unglaublich aufmerksam und lieb. <br />Das Klopfen ist weg, wir trinken Tee, ich schaue auf die Tasse und versuche, mir Linda in Amerika vorzustellen. Wie's ihr wohl geht, ob sie auf dem Land lebt, oder in einer großen Stadt? Ob sie manchmal noch an St. Gallen denkt?</p>
<p>Vor wenigen Tagen erst habe ich ein Gästebuch entdeckt, darin sind die Eintragungen vieler ehemaliger Gäste des Theaters, Sängerinnen und Sänger, Schauspieler, Musicaldarsteller. Künstler, die vor uns hier untergebracht worden sind. Moment. Vielleicht war da ja mal eine Linda darunter. Eine, die auf dem Weg nach St. Gallen an einer Autobahnraststätte beispielsweise - wo man solche blauen Tassen mit weißem Namen durchaus kaufen kann, ich habe sie selber auf dem Weg hierher gesehen, daran erinnere ich mich jetzt auf einmal - die Tasse gesehen und sie für sich gekauft hat in dem Gedanken, dass gerade in einer Gästewohnung, wo einem alles fremd ist und man keine eigene Atmosphäre hat, eine solche Tasse mit dem eigenem Namen drauf genau das richtige sein kann. Und hat dann, als ihre Premiere vorbei war und sie wieder fortging, die Tasse einfach nicht mehr gebraucht und sie hier zurückgelassen.</p>
<p>Das kommt mir sehr banal vor jetzt. Aber genau so kann&nbsp; es auch gewesen sein.<br /></p>]]>
        
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    <title>Heraus mit der Sprache</title>
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    <published>2010-03-16T11:34:33Z</published>
    <updated>2010-03-16T11:36:12Z</updated>

    <summary>&quot;Bibi Balù&quot; ist die Geschichte einer tapferen jungen Schweizerin, die ganz allein und aus eigener Kraft auf der einsamen, abgelegenen Südseeinsel Balù ein Lazarett für Eingeborene betreibt. Ohne Hilfe von außen aber droht nun das Lazarett unterzugehen, es fehlt an...</summary>
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        <name>Christoph Marti</name>
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        <![CDATA[<p>"Bibi Balù" ist die Geschichte einer tapferen jungen Schweizerin, die ganz allein und aus eigener Kraft auf der einsamen, abgelegenen Südseeinsel Balù ein Lazarett für Eingeborene betreibt. Ohne Hilfe von außen aber droht nun das Lazarett unterzugehen, es fehlt an allem. So rührend die Geschichte ist, sie ist frei erfunden. Weder gibt es eine Bibi, noch eine Insel Balù. Ausgedacht hat sich dies der gescheiterte und mittellose Fritz Sturzenegger, der gerade von einer Weltreise, auf der er sein Glück gesucht (und nicht gefunden) hat, nach Zürich zurückgekehrt ist. Es gelingt ihm, einen schmierigen PR-Berater und einen versoffenen Notar von der Idee zu begeistern, gemeinsam in der Schweizer Bevölkerung Spenden zu sammeln für Bibi Balù. Unterstützt werden sie dabei von einer älteren und etwas exaltierten Dame vom Züriberg. Sie hat sich seit Jahren der Wohltätigkeit verschrieben und bringt das nötige Know-how mit. Die Sache kommt ins Rollen und läuft immer besser - bis auf einmal eine junge Frau die Szene betritt und von sich behauptet, sie sei sie, die Bibi.</p>
<p>Gleich auf der Leseprobe macht uns die Dramaturgin darauf aufmerksam, dass wir uns unter Umständen Schwierigkeiten aufhalsen, wenn wir, wie's im Stück steht, die Eingeborenen permanent als Neger bezeichnen. Das Stück ist Anfang der 60er Jahre geschrieben, zu einer Zeit also, in der das Wort Neger in der Schweiz ganz geläufig war, d' Neger dies, d' Neger das. Damals war das nicht rassistisch, es hatte nicht mal einen Gout . Wir müssen es also dabei belassen. </p>
<p>Wann war denn das eigentlich, als das Wort Neger zum Unwort wurde, woher kam das, wer hat darüber entschieden? Ich frage. Angeblich soll Neger das Deutsche Wort für nigger sein. Aber stimmt denn das? Ist Neger nicht negro? Man soll es nicht mehr sagen, gut. Aber ich tue mich schwer damit. Weil ich die Worte schön finde. Neger, negro. Schöne Worte mit einem schönen Klang. Und ist nicht das „d" in d' Neger viel rassistischer, das kollektive Gleichmachen durch den Artikel? Ist am Ende das Wort Rasse heute schon rassistisch? Ich merke schon, es ist gar nicht so leicht, darüber zu schreiben. Zudem hat sich die angeblich politisch korrekte Bezeichnung ja auch immer wieder geändert. Farbige, Afroamerikaner, Schwarze, weh dem, der da nicht Bescheid weiß, nicht auf dem aktuellen Stand ist. Weh mir.</p>
<p>Auf den Kontext kommt es an, sagt mein Mann. Und er meint, es waren die Putzfrauen, die eines Tages nicht mehr Putzfrauen genannt werden wollten. So hat man sich auf das Wort Reinigungskraft geeinigt, das hatte lange Gültigkeit. Seit einiger Zeit hört man - am Theater zumindest - nun den Begriff Raumpflegerin. Und neu jetzt, vor kurzem erst, das ist kein Witz, hatte Bühnenkosmetikerin Premiere. Mir reicht das jetzt. Ich putze gern, ich finde Frauen toll, ich sage Putzfrau.</p>
<p>Wär's nicht besser, jeder sagt so, wie er denkt und fühlt? Wenn einer zum Beispiel im Internet über mich schreibt „Dr Marti isch e Schwuchtle" ist mir das recht. Nur zu, heraus mit der Sprache, mir ist es lieber, ich weiß, woran ich bin. Ich kann mir dann immer noch überlegen, ob ich zustimmen, anderer Meinung sein, widersprechen oder drüberstehen will. In diesem Fall stimme ich zu. Ich habe doch selber schon vor einigen Jahren, allerdings in fortgeschritten alkoholisiertem Zustand auf der Tanzfläche einer Berliner Schwulendisco gestanden und „Bewegt Euch, ihr Schwuchteln!" gebrüllt. Hat keinen gestört, hat gar kein Aufsehen erregt. Wenn wir uns untereinander so nennen dürfen, darf es dann nicht auch der potentielle Schwulenhasser, der meint, mir nachts auf dunkler Strasse mit seinem Baseballschläger den Unterkiefer zertrümmern zu müssen? Vielleicht ja, wenn er merkt, dass er das eine darf, meint er nicht mehr, das andere zu müssen.<br /></p>]]>
        
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    <title>„Ich möchte gerne Hausfrau sein&quot; </title>
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    <published>2010-03-12T11:54:39Z</published>
    <updated>2010-03-12T11:59:46Z</updated>

    <summary> Heute bin ich aus München zurückgekommen, wo ich Samstagabend „La Cage aux Folles&quot; am Gärtnerplatztheater gespielt habe. Ein tolles Stück. Die Vorstellung ist fast immer ausverkauft und macht allen Beteiligten große Freude. Wir spielen sie schon im dritten Jahr...</summary>
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        <name>Christoph Marti</name>
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        <![CDATA[<p><img class="mt-image-none" height="378" alt="Nonchalance" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/nonchalance%20b.jpg" width="272" /></p>
<p>Heute bin ich aus München zurückgekommen, wo ich Samstagabend „La Cage aux Folles" am Gärtnerplatztheater gespielt habe. Ein tolles Stück. Die Vorstellung ist fast immer ausverkauft und macht allen Beteiligten große Freude. Wir spielen sie schon im dritten Jahr und von mir aus kann es immer so weitergehen. Eigentlich bin ich noch etwas jung für die Rolle des Albain. Dem Regisseur Helmut Baumann war's egal. Und nun erledigt es sich von selbst mit den Jahren. Ich muss gar nichts dafür tun.</p>
<p>So gern ich die Vorstellung spiele, hätte ich auch gegen einen freien Sonntag in unserer sehr gemütlichen St. Gallener Gästewohnung nichts einzuwenden gehabt, überhaupt nichts. Ich bin bei aller Liebe zum Theater und zum Showgeschäft nämlich auch ein ganz großer Freund freier Tage. Dann koche ich, räume auf, backe einen Kuchen oder werkle so vor mich her und nuusche herum. Für mich das Größte. Ich hab schon oft zu meinem Mann gesagt: wenn er ein anständiges Gehalt nach Hause brächte, müsste ich nicht mehr arbeiten gehen und könnte mich ganz auf den Haushalt konzentrieren, ich wäre gerne Hausfrau, und eine gute obendrein. Es soll wohl nicht sein.</p>
<p>Die Zeit in München ist jedes Mal ganz knapp und begrenzt. Ich wohne immer im selben Hotel, oft sogar im selben Zimmer, gehe nach meiner Ankunft immer ins selbe Restaurant, wo ich meistens das gleiche Gericht bestelle. Ins Theater geh ich zu Fuß, durchs Bahnhofsviertel, vorbei am Jüdischen Museum (wunderschön ist das, vor allem auf dem Rückweg nachts, wenn es beleuchtet ist!). Immer die selben Wege zur gleichen Zeit. Diese Rituale sind wichtig, sie helfen mir reinzukommen. Schminken tu ich mich selber und bin meistens der erste, der in der Garderobe ist, bevor sie sich dann mehr und mehr füllt, bis sie tatsächlich ein Käfig voller Narren ist.</p>
<p>Diesmal gab es in meinem Zeitplan eine kleine Lücke, welche ich genutzt habe um mich auf die Suche nach einem Duft für meine Rolle in „Bibi Balù" zu machen. Jede Rolle, die ich spiele, bekommt ihren eigenen Duft. Bei Ursli ist es „Chanel Pour Monsieur". Bei Ursula West war es „Kölnisch Wasser 4711. „Shalimar" für Zaza, „Chanel Nr. 5" für Dolly Levi. „Poison" für die böse Königin in „Snow White" - was denn sonst. Und für die Rolle der „Csárdásfürstin" nächsten Winter an der Oper Köln hab ich mir jetzt schon „Aqua Fiorentina" von Creed gekauft, noch bevor ich den Vertrag unterschrieben habe, einfach weil ich mich so darauf freue! In St.Gallen jetzt spiele ich Emma Weideli-Oggenfuss, eine exaltierte, ältere Dame vom Züribärg, vornehm, aber bei weitem nicht so vermögend, wie sie es einem gerne glauben macht, der Duft muss also preiswert sein und etwas von einer Oma haben. Es ist Sonntag, die Geschäfte haben zu, hm. Der Drogeriemarkt im Bahnhof, perfekt! „Tosca"? Zu frisch. „Gloria Vanderbilt"? Halten die Kollegen nicht aus. Aber was steht denn da rechts oben im Regal, „Nonchalance", das kenn ich gar nicht. Ich sprühe mir vom Tester etwas auf einen Papierstreifen und weiß sofort: Treffer! Mehr Oma geht nicht. Voll Freude und Zuversicht, das richtige gefunden zu haben, mache ich mich auf den Weg ins Theater und zur Vorstellung.</p>
<p>Die Nacht ist kurz. Ich hatte vor, mir die Oscarverleihung live aus Los Angeles anzuschauen, bin aber wenige Minuten vor Beginn bei laufendem Fernseher eingeschlafen, noch bevor Christoph Walz seinen Oscar für die beste männliche Nebenrolle in Empfang nehmen konnte. Kurz nach sechs Uhr klingelt der Wecker, und um sieben sitz ich schon im Zug zurück nach St. Gallen. Mein Mann, der auch mein Manager ist und sich um all meine Geschäfte kümmert - wofür ich ihm gerne den Haushalt mache und seine Hemden bügle - hat mir einen Sitzplatz in der 1. Klasse reserviert. Das ist schön, obwohl ich finde, dass der Unterschied in der 1. Klasse zur 2. in den Schweizer Zügen nicht groß genug ist. Ich beschließe, mich nicht auf meinen reservierten Platz im Großraumwagen zu setzten und verziehe mich stattdessen in einen alten Abteilwagen, die mit den Sitzen, die man rausziehen und sich so ein Liege machen kann. Kein Mensch weit und breit. Bordeauxfarbene Cordbezüge. Ich schlafe sofort ein. Als ich wieder erwache, sind wir schon im Allgäu. Ich mag diese Gegend gern. Der Winter ist ja übers Wochenende zurückgekehrt, und da, wo sonst so viel Grün ist, ist jetzt so viel Weiß. In Lindau dann der fantastische Blick über den See, wenig später die Ankunft in St. Gallen. Kurz nach elf Uhr bin ich auf der Probebühne, es geht weiter.<br /></p>]]>
        
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    <title>Si chönt doch Schwiizerdütsch</title>
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    <published>2010-03-09T13:37:18Z</published>
    <updated>2010-03-11T08:04:58Z</updated>

    <summary>Mein Mann hat heute Geburtstag. Wir schenken uns immer viel, aber heuer hab ich&apos;s irgendwie nicht kommen sehen und hab erst ganz kurz vor unserer Abreise von Berlin nach St.Gallen online rasch noch einen Haufen Bücher, CDs und DVDs für...</summary>
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        <![CDATA[<p>Mein Mann hat heute Geburtstag. Wir schenken uns immer viel, aber heuer hab ich's irgendwie nicht kommen sehen und hab erst ganz kurz vor unserer Abreise von Berlin nach St.Gallen online rasch noch einen Haufen Bücher, CDs und DVDs für ihn bestellt. Als Empfänger hab ich mich selbst angegeben, damit ich die Geschenke dann selber noch schön einpacken kann, und als Adresse das Theater St.Gallen.</p>
<p><img class="mt-image-none" alt="Theater St. Gallen, Museumsstrasse 24" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/flachdachabd.jpg" height="270" width="378" />&nbsp;</p>
<p>Seit wir nun in St.Gallen sind, war ich jeden Tag an der Theaterpforte, um zu schauen, ob Post für mich gekommen ist, was insofern etwas aufwendiger ist, als das Theater St.Gallen zwei Adressen hat. Museumsstrasse 1 - ich meine, das ist die Verwaltung, vielleicht aber auch die Kasse, ich hab's noch nicht raus - und Museumsstrasse 24, das ist das eigentliche Theater. Museumsstrasse 1 ist ein Neubau, alles schick mit Beton und viel Glas, es gibt eine automatische Schiebetür, die bei mir jedoch nicht aufging. Zum Glück kam aber gerade eine junge Mitarbeiterin aus der Verwaltung (oder von der Kasse?) und hat mir aufgemacht. Ich habe mich ihr vorgestellt und erklärt, dass ich Post erwarte, und da ich nicht wisse, wo sie wohl ankäme, auch nicht weiß, wo nach ihr schauen. Nachdem ich ihr das alles gesagt hatte, meinte sie zu mir: „Si chönt scho normal mit mir schwätze!". </p>
<p>Ich hatte Deutsch mit ihr gesprochen. Ah, jetzt geht das los, denke ich, das kenn ich ja schon, denn das passiert mir dauernd und dauernd werde ich dafür gerügt. Ich sage: „Das ist nicht die Antwort, die ich erwartet habe". - „Si chönt doch Schwiizerdütsch, oder nöd?". Erst als ich ihr - auf Schweizerdeutsch! erklärt habe, dass ich selber nicht merke, ob ich Deutsch oder Schweizerdeutsch spreche, war sie schließlich bereit, mir Auskunft zu geben. </p>
<p>Was ist das, was ist da los? Meine Grossmutter hatte mich auch immer korrigiert, wenn ich aus Berlin bei ihr zu Besuch war. „Chasch du nümm Bärndütsch?", in schroffem Ton. Aber sie war meine Grossmutter, und hat mich außerdem schon korrigiert, als ich noch ganz klein war. „Nä-äh!" und „Hä?" waren bei ihr absolut tabu. Und: es heißt „<u>Zwe</u> Manne, <u>zwo</u> Froue, <u>zwöi</u> Ching". Meine Grossmutter ist inzwischen verstorben und fast finde ich schade, dass es nun niemand mehr gibt, dem diese Dinge wichtig sind. Weiß das heute noch jemand, wird da noch drauf achtgegeben? </p>
<p>Zurück zum Thema. In Zürich einmal, im Strandbad, kam ein mir fremder Mann auf mich zu und sagte: „Du, ich hab dich in einem Interview im Schweizer Fernsehen gesehen. Wenn ich Dein Image-Berater wäre, würde ich Dir empfehlen, Schweizerdeutsch zu sprechen". - Hä? Pardon, wie bitte? Ich will keinen Image-Berater, und mit meinem Image soll sich befassen, wer mag, ich befasse mich nicht damit. Seit mehr als 20 Jahren lebe ich in Deutschland, mein Mann ist Deutscher, wir sind seit 25 Jahren zusammen, wir reden Deutsch miteinander, ich denke Deutsch, ich glaube, ich träume sogar Deutsch. Warum muss ich mich dafür entschuldigen, warum muss ich das überhaupt erklären? </p>
<p>Als kleiner Bub fand ich Deutsche auch doof, ganz doof! Deutsche waren die, die Schuld daran waren, dass man am Skilift lange anstehen musste. Von der Sprache wollen wir gar nicht reden. Aber das ist 40 Jahre her, ich war ein kleiner Bub. Heute bin ich da tolerant. </p>
<p>Von den sechs bestellten Paketen ist übrigens nur eins rechtzeitig angekommen, die anderen sind noch unterwegs oder irgendwo hängen geblieben, sie kommen später. Dafür muss ich sie dann auch nicht mehr schön einpacken. </p>]]>
        
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    <title>Geister an Bord</title>
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    <published>2010-03-09T05:53:12Z</published>
    <updated>2010-03-11T08:04:39Z</updated>

    <summary> Am Silvester 2007 war das Theater Rigiblick ein Kreuzfahrtschiff. Wir zeigten eine Revue, bei der es an Bord der „MS Rigiblick&quot; die Richtung Datumsgrenze lief, im grossen Ballsaal zu zahlreichen Unfällen und Komplikationen kam. Mit von der Partie waren...</summary>
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        <name>Daniel Rohr</name>
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        <![CDATA[<span lang="DE">
<p dir="ltr" align="left">Am Silvester 2007 war das Theater Rigiblick ein Kreuzfahrtschiff. Wir zeigten eine Revue, bei der es an Bord der „MS Rigiblick" die Richtung Datumsgrenze lief, im grossen Ballsaal zu zahlreichen Unfällen und Komplikationen kam. Mit von der Partie waren als Kapitänin Regierungsrätin Regine Aeppli, als Star-Opernsänger Regierungsrat Markus Notter und als Bordmechaniker im Blaumann und mit Helm bestückt der Finanzvorstand der Stadt Zürich, Martin Vollenwyder.</p>
<p dir="ltr" align="left">Im Laufe der Revue schlichen sich immer mehr Katastrophen ein, bis die Leitung der MS Rigiblick beim grossen Finale eingreifen musste.</p>
<p dir="ltr" align="left">Bei Theatervorgängen sind Missgeschicke spannend. Über sie kann man lachen, weinen, sich den Kopf zerbrechen. Wenn alles reibungslos läuft, wird es langweilig. Bei Proben lege ich mir als Schauspieler bewusst Hindernisse in den Weg, damit ich Geschichten erzählen kann.</p>
<p dir="ltr" align="left">Stellen Sie sich vor, Goethes Zauberlehrling hätte die Geistesgegenwart besessen, den Stöpsel zu ziehen, nachdem der Besen die ersten Eimer Wasser in die Wanne gekippt hatte. Wie langweilig, wenn sich der Bottich nicht drohend gefüllt, die Holzstücke furchterregend vervielfältigt, das Wasser nicht beängstigend gestiegen, wenn nicht als Deus ex machina der grosse Hexenmeister gekommen wäre.</p>
<p dir="ltr" align="left"></p>
<p dir="ltr" align="left">Auch im Rigiblick haben wir in den vergangen fünf Jahren immer wieder Geister gerufen, deren wir manchmal fast nicht mehr Herr geworden wären. Im Betriebsbüro drohte wegen der massiven Häufung von Anfragen von Gruppen der Kollaps, beim Ticketing kamen wir an den Anschlag, wegen der zunehmend komplexen Bühnenbilder rang die technische Leitung mehr als einmal die Hände.</p>
<p dir="ltr" align="left">Immer wenn es wieder einmal dramatisch war, halfen uns gute Geister. Mittlerweile ist eine Familie aus Künstlerinnen und Künstlern, aber auch aus Zuschauerinnen und Zuschauern an Bord der MS Rigiblick zusammen gewachsen. </p>
<p dir="ltr" align="left">Wenn ich gerade dabei bin: Ein guter Geist an Bord der MS Rigiblick war Uta Kenter. Ihr sorgfältiger Beitrag über „To the Dark Side of the Moon" im Kulturplatz hat uns Wohlwollen beschert. Dafür sei Ihr hier im Abschiedsblog gedankt.</p>
<p dir="ltr" align="left"></p>
<p dir="ltr" align="left"><img class="mt-image-none" alt="Grand Salon von Valentin Lustig" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/Grand_Salonb.jpg" height="305" width="378" /></p>
<p dir="ltr" align="left">Vor gut einer Woche war im Foyer des Theater Rigiblick die Vernissage des Künstlers Valentin Lustig mit seinem fünfteiligen Bilderzyklus „Kapitän Nemo's Harem". Die fantasievollen Bilder finden beim Theaterpublikum grossen Anklang. Auf dem vierten Bild „Grand Salon" ist ein Stuhl zu sehen, auf dem die Uniform Nemo's liegt. Aber wo ist Nemo selber?</p>
<p dir="ltr" align="left"><img class="mt-image-none" alt="Detail aus Grand Salon von Valentin Lustig" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/Detail_Salonb.jpg" height="263" width="378" /></p>
<p dir="ltr" align="left">Die fünf Bilder Valentin Lustigs beherbergen siebzig Haremsdamen, aber auf keinem Bild taucht Kapitän Nemo selber auf. Eine These dazu ist, dass Nemo von seinen Frauen umgebracht wurde. Eine weitere These ist, dass er sich mit einer Haremsdame in einem nicht zu sehenden Zimmer vergnügt. Da im ersten Bild des Zyklus, nämlich der „Küche", viel Gemüse auf dem Boden liegt, schmunzelte gestern Urs Widmer, dass sich Nemo vielleicht im Gemüsegarten aufhält. Vielleicht aber ist Kapitän Nemo ganz einfach nur von Bord gegangen und hat sich verabschiedet. </p>
<p dir="ltr" align="left"></p>
<p dir="ltr" align="left">Und dabei sind wir beim Stichwort: ich verabschiede mich jetzt auch, verlasse den Blog und gehe an Land. Ein Monat war ich Blog-Kapitän des Flagschiff Kulturplatz. Naja, vielleicht war ich ja auch nur der Klabautermann ... .</p></span>]]>
        
    </content>
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    <title>Donauwalzer und Viervierteltakt</title>
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    <id>tag:kulturplatz.blog.sf.tv,2010://5.36505</id>

    <published>2010-03-05T15:28:17Z</published>
    <updated>2010-03-11T08:05:20Z</updated>

    <summary><![CDATA[&nbsp; In einer Woche haben Gottfried Breitfuss und ich Premiere mit „Das Ende vom Anfang". Wenn die beiden Figuren des Stücks gymnastische Übungen machen, wirft Darry seinem Freund vor, er bewege sich „wie ein Donauwalzer im Marschtakt". Ein wunderbares Bild...]]></summary>
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        <name>Daniel Rohr</name>
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        <![CDATA[<p>&nbsp;<img class="mt-image-none" alt="Daniel Rohr und Gottfried Breitfuss in Das Ende vom Anfang" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/uhr.jpg" height="251" width="378" /></p>
<p>In einer Woche haben Gottfried Breitfuss und ich Premiere mit „Das Ende vom Anfang". Wenn die beiden Figuren des Stücks gymnastische Übungen machen, wirft Darry seinem Freund vor, er bewege sich „wie ein Donauwalzer im Marschtakt". Ein wunderbares Bild für die Proben zu einer Komödie. Irrtümlicherweise gehen Laien davon aus, dass die Proben zu einer Komödie zwangsläufig lustvoll sein müssen. Das stimmt leider nur bedingt. </p>
<p>Das Spiel in einer Komödie verlangt einen äusserst hohen Grad an Konzentration und meistens auch ein gossen körperlichen Einsatz. Die Wachheit für den Szenenpartner muss sehr hoch sein: man muss sofort in der Lage sein, seine Impulse aufzunehmen und umzusetzen auf winzige Szenenangebote des Mitspielers einzugehen. Im frühen Probenstadium, wenn der Text noch nicht richtig sitzt, wenn man noch mit sich und der eigenen Figur, der Organisation der Requisiten beschäftigt ist, ist der Frustrationsgrad oft sehr hoch, das Scheitern im Spiel sehr häufig. </p>
<p>Eine gute Komödie verlangt ein leichtes Spiel. Die Probenrealität ist anders: wo man mit der Nagelfeile arbeiten müsste , hat man den Fuchsschwanz in der Hand. Wo man mit dem Florett fechten möchte, steht man mit einer Keule in der Hand da. Statt mit der Leichtigkeit eines Donauwalzers zu tanzen, marschiert man im Viervierteltakt. </p>
<p>Im Laufe der Proben tauchen dann allerdings Lichtblicke auf; für einen Augenblick gelingt das Zusammenspiel, man muss selber lächeln weil man im Auge des Szenenpartners ein Leuchten aufblitzen sieht: Der Flugapparat, mit dem man abheben will, beginnt sich unter Ächzen und Stöhnen zu bewegen. Um so frustrierender sind dann wiederum die ersten Abläufe, in denen nichts gelingen, in denen man den Humor erzwingen, die Komik stemmen will. Das Bild eines Albatros, der hilflos Meter um Meter rennt um abzuheben. Baudelaire fällt mir ein: „souvent, pour s'amuser..." Wie lange habe ich das Gedicht nicht mehr gelesen! </p>
<p>Die Probenzeit ging rasend schnell vorüber. Ich bin etwas erschöpft. Gestern dann ein erster Durchlauf mit Licht und Kostüm. In der Szene, wo Darry und Barry die kaputte Uhr untersuchen, trifft mich Gottfrieds Blick und ich kann mich nicht mehr halten: ich muss schallend loslachen. Das Flugzeug ist ein erstes Mal kurz abgehoben. Nun haben wir noch eine Woche um es ganz startklar zu machen. Ich bin gespannt, ob der Motor im Dreiviertel- oder Viervierteltakt brummen wird.</p>
<p><img class="mt-image-none" alt="Gottfried Breitfuss und Daniel Rohr in Das Ende vom Anfang" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/234.jpg" height="265" width="378" />&nbsp;</p>
<p>Gottfried Breitfuss ist ein grossartiger Schauspieler und Kollege; ein Berserker, ein besessener Arbeiter. Einer, der sich nicht schont, einer, der immer wieder in den Ring steigt, der nie locker lässt, der jeden Satz untersucht und immer wieder gnadenlos hinterfragt. </p>]]>
        
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    <title>Vor-Frühling</title>
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    <published>2010-03-02T09:46:53Z</published>
    <updated>2010-03-11T08:05:59Z</updated>

    <summary>Wenn ich die Zeit finde, nehme ich mir eine Stunde frei und jogge vom Rigiblick über den Zürichberg zum Lorenchopf und wieder zurück. Heute ist ein wunderschöner, sonniger Tag. Ist es Wunschdenken, oder zeigen die Sträucher schon den ersten Flaum...</summary>
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        <![CDATA[<p>Wenn ich die Zeit finde, nehme ich mir eine Stunde frei und jogge vom Rigiblick über den Zürichberg zum Lorenchopf und wieder zurück. Heute ist ein wunderschöner, sonniger Tag. Ist es Wunschdenken, oder zeigen die Sträucher schon den ersten Flaum Grün? Täusche ich mich, oder wedeln sich alle Hunde heute besonders freundlich an? Kann man in den ersten März-Tagen schon von Vor-Frühling sprechen? </p>
<p>Im Rigiblick spielen wir eine „Faust"-Fassung, in der wir das Werk Goethes mit den grossen Rocksongs erzählen. Natürlich geht mir das entsprechende Faust-Zitat durch den Kopf: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick, im Tale grünet Hoffnungsglück, der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in raue Berge zurück." Die Voralpen und einzelne Stellen am Uetliberg sind aber noch verdächtig weiss. Der Winter hat sich noch nicht in sehr raue Berge zurückgezogen ... . </p>
<p>Joggen hat etwas Meditatives, meine Gedanken fliegen. Heute allerdings muss ich mich konzentrieren. Ich mache in Gedanken die Texte zu der Vorstellung „In einer Sternennacht am Hafen" durch, dem Seemanns-Liederabend, den ich gemeinsam mit Daniel Fueter seit fast vier Jahren im Rigiblick singe. Am 5. März spielen wir die mehrfach „zum letzten Male" angekündigte , nun aber wirklich endgültige Derniere der „Sternennacht". </p>
<p><img class="mt-image-none" alt="Daniel Fueter und Daniel Rohr in Sternennacht" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/sternen%20neu.jpg" height="249" width="378" /></p>
<p>Es fällt mir nicht leicht, mich von dem Abend zu verabschieden; Daniel Fueter und ich verstehen uns mittlerweile blind; beide lieben wir es, die Vorstellung zu spielen. Aber das Rigiblick quillt über: wir haben kaum Stauraum um die Bühnenbilder und die Requisiten zu lagern und über die Jahre hat sich doch einiges angesammelt. Ich spiele mittlerweile sechs Stücke parallel: die „Sternennacht", „To the Dark Side", den Italo-Abend „Azzurro", den Beckett-Roman „Mercier und Camier", die Komödie „Das Ende vom Anfang", den Rock-„Faust", und ab Juni beginnen die Proben zu Dostojewski's „Der Spieler" in der Regie von Volker Hesse. Fast alle Stücke sind Solos oder Duos, das bedeutet, dass immer grosse Textbrocken zu bewältigen sind. Es wird Zeit, dass ich Ballast abstosse. </p>
<p>Nun sind meine Gedanken beim Rennen doch abgeschweift. Ein Eichhörnchen huscht über den Weg und der Specht klopft gegen einen Baum. Ich höre, wie ein kleiner Junge seinen Vater fragt: „Wer hat die Bäume angemalt?" Es war der Förster und es sind die Bäume, die gefällt werden müssen. Auch im Wald wird der Platz manchmal knapp. Der Frühling kommt. Ich freue mich auf die letzte Vorstellung der „Sternennacht am Hafen". Danach ist ein Kapitel abgeschlossen: Frühlingsputz, auch im Kopf. </p>]]>
        
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    <title>Staub</title>
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    <published>2010-02-26T17:20:19Z</published>
    <updated>2010-03-11T08:06:21Z</updated>

    <summary>Wenn im Stück „Das Ende vom Anfang&quot;, das wir gerade proben, die Figur „Barry&quot; im Schuppen Öllampen holen soll, fällt ein ganzes Regal um. Staub wirbelt auf. Die Proben zur irischen Komödie haben mich vor einigen Tagen dazu gebracht, auf...</summary>
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        <![CDATA[<p>Wenn im Stück „Das Ende vom Anfang", das wir gerade proben, die Figur „Barry" im Schuppen Öllampen holen soll, fällt ein ganzes Regal um. Staub wirbelt auf. Die Proben zur irischen Komödie haben mich vor einigen Tagen dazu gebracht, auf dem Dachboden meine alten irischen Schallplatten zu suchen und dabei ebenfalls viel Staub aufzuwirbeln.</p>
<p><embed src="http://www.youtube.com/v/3Z3A5Tgy47M&amp;hl=en_US&amp;fs=1&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always" height="344" width="378"></p>
<p>Ich freue mich über die jahrelang nicht mehr gehörten Songs; Erinnerungen tauchen auf. Wie alte Bekannte kommen mir die Musikerinnen, Musiker und Bands vor: die sanften Planxty, deren erstes Album wir damals zeitgleich mit Pink Floyds „The Dark Side of the Moon" gehört haben. Das wunderschöne Freiheitslied „Only our rivers" berührt mich noch immer. („When apples still grow in November, it's then, when our Land will be free"), die grossartigen Chieftains, die van Morrison zu einem seiner meiner Ansicht nach schönsten Songs verholfen haben. („Carrickfergus" auf dem Album „Irish Heartbeat") die Jigs und Reels der fantastischen und schnellen Bothy Band. („Old Hag You Have Killed Me"), die Brüder Finbar und Eddie Fury mit ihrem Song „The lonesome Boatman", die derben und sinnenfrohen Dubliners, Cran, Donal Lunny, Andy Stewart, Clannad. </p>
<p>Alle Bands spielen Traditionals. Erstaunlicherweise gibt es Songs, die noch immer frisch und unverbraucht klingen, an anderen klebt nicht nur wegen des langen Aufenthaltes auf dem Dachboden Staub. Ich frage mich nach dem Grund, finde aber keine befriedigende Antwort. Eriko Kagawa, die Pianistin von „To the Dark Side of the Moon" fällt mir ein. Bei einem Publikumsgespräch nach einer Aufführung im Theater Rigiblick wurde sie gefragt, ob sie lieber Pink Floyd oder Schubert spiele. Eriko antwortete, dass sie beides gerne spiele. Wichtig sei, dass sie von einer Musik berührt werde. Frank Zappa, der in allen Stilrichtungen experimentierte und neben der Rockmusik auch für das Kronosquartett komponierte oder symphonische Musik schrieb, hasste die Unterscheidung zwischen U-Musik und E-Musik. In einem Interview sagt er: „Für mich gibt es nur gute und schlechte Musik!" Eines ist jedenfalls klar: Gute Musik ist antistatisch: an ihr klebt nie Staub.</p>]]>
        
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    <title>Zwei Welten</title>
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    <published>2010-02-22T14:34:00Z</published>
    <updated>2010-03-11T08:06:41Z</updated>

    <summary>Die Proben zu einem neuen Stück haben begonnen. Für die Feiern „25 Jahre Theater Rigiblick&quot; proben Gottfried Breitfuss, Anina Jendreyko und ich die irische Komödie „Das Ende vom Anfang&quot; von Sean O&apos;Casey in einer Inszenierung von Franz Burkhard. In der...</summary>
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        <![CDATA[<p>Die Proben zu einem neuen Stück haben begonnen. Für die Feiern „25 Jahre Theater Rigiblick" proben Gottfried Breitfuss, Anina Jendreyko und ich die irische Komödie „Das Ende vom Anfang" von Sean O'Casey in einer Inszenierung von Franz Burkhard. In der irischen Komödie tauscht ein Bauernpaar die Rollen: Lizzie, die Frau geht aufs Feld; Darry, der Mann, will den Haushalt besorgen. Dass er und sein Kumpel Barry von einer Katastrophe in die nächste geraten, versteht sich von selbst ... . </p>
<p>In kürzester Zeit bin ich mit zwei Welten konfrontiert: Aus dem Weltall kommend finde ich mich im irischen Alltag wieder. Die Texte und Vorlagen der Theaterabende zu „To the Dark Side of the Moon" und „Das Ende vom Anfang" könnten unterschiedlicher nicht sein, weder in der Form noch im Inhalt: Auf der einen Seite steht die Vorlage von „Dark Side". „Kaleidoskop" ist eine Erzählung von Ray Bradbury, ein abgründiger, ernsthafter, anthrazitfarbener Text, den wir in der Inszenierung als inneren Monolog behandelt haben. Auf der anderen Seite ist „Das Ende vom Anfang" von Sean O'Casey, eine Komödie. Die unglaublich präzise geschriebene, witzige, laute, bunte dramatische Vorlage verlangt ein offensives und extrovertiertes Spiel. </p>
<p>Beide Texte haben einen eigenen, unverwechselbaren Charakter. Erstaunlich und spannend ist für mich bei den Proben, dass beide Texte ihren eigenen Rhythmus und ihre eigene Melodie haben, denen man sich unterordnen muss, damit der Text aufblühen kann und lebendig wird. Wie sagt Goethe im Prolog vom „Faust": „Die Sonne TÖNT in alter Weise ... " Vermutlich hat auch sie ihren eigenen Rhythmus ... .</p>
<p><img class="mt-image-none" alt="Daniel Rohr" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/DSC_0015b.gif" height="253" width="378" /> </p>]]>
        
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    <title>Peter Gabriels Geburtstag </title>
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    <id>tag:kulturplatz.blog.sf.tv,2010://5.36423</id>

    <published>2010-02-16T12:38:52Z</published>
    <updated>2010-02-16T15:27:39Z</updated>

    <summary> Zu seinem 60sten Geburtstag veröffentlichte Peter Gabriel am vergangen Samstag, am 13. Februar seine neue CD. Die Fans haben 8 Jahre darauf warten müssen. Peter Gabriel gehört zu den Künstlern, die ich für ihren Drang, Ungewohntes zu wagen, neue...</summary>
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        <name>Daniel Rohr</name>
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        <![CDATA[<p><img class="mt-image-none" alt="Peter Gabriel" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/Peter-Gabriel-002.gif" width="378" height="227" /></p>
<p>Zu seinem 60sten Geburtstag veröffentlichte Peter Gabriel am vergangen Samstag, am 13. Februar seine neue CD. Die Fans haben 8 Jahre darauf warten müssen. Peter Gabriel gehört zu den Künstlern, die ich für ihren Drang, Ungewohntes zu wagen, neue Wege zu beschreiten, ungemein schätze. Das Wagnis kann auch darin bestehen, aus bereits Bestehendem etwas Neues zu schaffen. </p>
<p>In Fankreisen wird kolportiert, dass Peter Gabriel über 1000 eigene Songs archiviert hat, die er nicht veröffentlicht. Wenn diese Zahl auch etwas übertrieben scheinen mag, ist es doch naheliegend, dass der Perfektionist Gabriel nicht alles, was er komponiert auch gleich veröffentlicht. Für seine neue CD hat sich der Sänger etwas Besonderes ausgedacht: Unter der Begleitung eines Symphonie-Orchesters covert er Songs von Künstlern wie David Bowie, Arcade Fire oder Radiohead. Zu seinem nächsten Geburtstag in einem Jahr wird er eine CD herausgeben, auf der die Bands, deren Songs er jetzt gecovert hat, seine eigenen Songs interpretieren: eine wunderbare Idee! </p>
<p>Im interpretatorischen Prozess können grosse künstlerische Ressourcen liegen. Der genial-schöne Song „Fade out" von Radiohead etwa kriegt bei Peter Gabriel ein derart neues Gewand, dass man ihn kaum wiedererkennt. Ein eigenes Werk. Ähnlich verhält es sich mit Songs wie „Heroes" oder „My body is a cage". </p>
<p>In unserer Inszenierung „To the Dark Side of the Moon" hat Daniel Fueter 38 Jahre nach dem Erscheinen von Pink Floyd's Album „The Dark Side of the Moon" durch seine Interpretation dem Werk ein neues Gesicht gegeben. Auch wenn er bescheiden von „Arrangement" oder „Cover" spricht, hat er mir doch einmal gestanden, dass seine Arbeit einem ähnlichen Aufwand entsprochen hat, wie wenn er eine Kammeroper komponiert hätte. In Kritiken zu unserer Aufführung war zu lesen, dass man die Musik von Pink Floyd ganz neu hören und erleben würde. Mit seiner Interpretation hat Daniel Fueter etwas Neues geschaffen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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    <title>Welche Rolle spielst Du?</title>
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    <id>tag:kulturplatz.blog.sf.tv,2010://5.36404</id>

    <published>2010-02-12T10:17:45Z</published>
    <updated>2010-02-12T10:18:29Z</updated>

    <summary>Meine Stellvertreterin im Theater Rigiblick war am Samstag als Organisatorin an einem Fasnachts-Kinderumzug. Ein kleines Mädchen, eine Hexe, kommt zu ihr und fragt: „Als was gaasch Du?&quot; Brigitta überlegt, dreht sich dann nach links und nach rechts und meint: „Raat...</summary>
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        <![CDATA[<p>Meine Stellvertreterin im Theater Rigiblick war am Samstag als Organisatorin an einem Fasnachts-Kinderumzug. Ein kleines Mädchen, eine Hexe, kommt zu ihr und fragt: „Als was gaasch Du?" Brigitta überlegt, dreht sich dann nach links und nach rechts und meint: „Raat emal...". „Als Presidäntin?" fragstaunt die Kleine. „Ganz genau richtig!" lächelt Brigitta und die Kleine ist zufrieden.<br />&nbsp;<br />Ich frage mich, als was ich heute zur Arbeit gegangen bin. Und ich nehme mir vor, heute Abend wieder einmal August E. Sanders grossartigen Portrait-Fotoband „Menschen des 20. Jahrhunderts" anzuschauen. Falls Sie das Buch nicht kennen sollten, blättern Sie mal darin.<br /></p>]]>
        
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    <title>Nach der Premiere</title>
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    <published>2010-02-09T09:36:04Z</published>
    <updated>2010-02-10T15:02:44Z</updated>

    <summary><![CDATA[ Am&nbsp;Samstag hatten wir im Theater Rigiblick Premiere mit „To the Dark Side of the Moon", einem Theaterabend, der sich mit der Rockgruppe Pink Floyd und einem Text des Autors Ray Bradbury auseinandersetzt.In Bradburys Erzählung „Kaleidoskop" werden Astronauten aus einem...]]></summary>
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        <name>Daniel Rohr</name>
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        <![CDATA[<p><img class="mt-image-none" height="259" alt="To the Dark Side of the Moon" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/pfloyd.gif" width="378" /></p>
<p>Am&nbsp;Samstag hatten wir im Theater Rigiblick Premiere mit „To the Dark Side of the Moon", einem Theaterabend, der sich mit der Rockgruppe Pink Floyd und einem Text des Autors Ray Bradbury auseinandersetzt.<br />In Bradburys Erzählung „Kaleidoskop" werden Astronauten aus einem Raumschiff geschleudert und fallen ihrem sicheren Tod entgegen. Nur der Funkkontakt bleibt. Beim Auseinandertreiben kommen trotz oder wegen der Todesangst alte Rivalitäten und Befindlichkeiten noch einmal zum Ausdruck, bevor alle Stimmen nach und nach verstummen. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens.<br />In den Song-Texten des Konzept-Albums setzen sich Pink Floyd mit den Themen Geld, Macht, Krieg, Zeit auseinander. Anhand des Schicksals ihres früheren Frontmanns Syd Barret fragen Pink Floyd: Was treibt uns in den Wahnsinn? Der Bassist Roger Waters schreibt: „Der Text des Albums ist so direkt und linear. Es geht um die fundamentale Frage, ob die Menschheit in der Lage ist, menschlich zu sein oder nicht."<br />Die Übereinstimmung der Themen in „Kaleidoskop" und „Dark Side" sind verblüffend und deckungsgleich bis zur überraschenden, berührenden und tief humanistischen Wendung am Ende von Bradburys Erzählung.</p>
<p>Das Konzeptalbum von Pink Floyd ist in den Abbey-Road-Studios von einem der besten Tontechniker aufgenommen und von einer ausgeklügelten technischen Qualität.<br />Um nicht mit der raffinierten Studiotechnik konkurrieren zu müssen, entscheiden Daniel Fueter, der musikalische Leiter des Theaterabends, und ich uns dazu, dass Daniel Fueter die Musik Pink Floyds in einer aufwändigen Arbeit für ein Streichquartett und Flügel arrangiert. Die Rechnung geht auf: In der grossartigen Adaption Fueters und der Intensität des Quintetts erfährt man die wunderbare Musik von Pink Floyd neu und lässt sich davon verzaubern.</p>
<p>Am Samstag also war Premiere. Ich fühle mich etwas leer. Wenn ich ein Projekt in Angriff nehme, dauert es in der Regel eine lange Zeit, bis es heranwächst, reift und zu einem Abschluss kommt. Begonnen hat es im Januar 2008 mit der Lektüre von „Spion aus dem All" von Walter Tevis, dem Roman, der dem Film „The man who fell to earth" mit David Bowie zu Grunde liegt. Damals begann eine lange Reise durch das Weltall, in der ich Zwischenlandungen auf dem Wüstenplaneten machte, mich mit Star Wars, Flash Gordon und verschiedensten Weltraum-Helden bekannt machte. Ich habe Comics gelesen, Filme geschaut, verfüge inzwischen über eine Sammlung von über 100 Space-Songs aus den Bereichen Rock, Pop und Schlager, angefangen von den Stones über Queen und Police bis hin zu den Beach Boys oder zu Udo Lindenberg und den Stars der Neuen Deutschen Welle.&nbsp; Mit der Space-Songs-Sammlung haben wir am vergangenen Silvester das Theater Rigiblick in ein Raumschiff verwandelt, um im Kommandoraum eine Weltraum-Revue zu veranstalten. Daneben schrieb Daniel Fueter an der Umsetzung von Dark Side für Piano und Streichquartett. Zwei Jahre Recherche. Ich bin in dieser Zeit den absonderlichsten Kreaturen begegnet, habe mich mit Eiswüsten, Gaswolken und Stickstoff-Feldern auseinandergesetzt. Gelandet bin ich nicht im Quadranten QX, sondern im Sonnensystem bei Pink Floyd und dem Satz „Everything is eclipsed by the moon". Und dann, ganz am Ende, ganz irdisch bei Ray Bradbury und in seiner poetischen Erzählung, in der ein kleiner Junge eine Sternschnuppe sieht und sich etwas wünschen darf.<br /></p>]]>
        
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    <title>SCHWINDEL</title>
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    <published>2010-02-08T17:08:59Z</published>
    <updated>2010-02-08T17:21:48Z</updated>

    <summary> Ich stehe in meinem Zimmer, sitze in meinem Zimmer in München, das mir die Kammerspiele zur Verfügung stellen und für Sekunden habe ich den authentischen Eindruck, nicht nur im Zimmer sondern gleichzeitig auf den schwarzen Holzplanken der Bühne der...</summary>
    <author>
        <name>Michael Neuenschwander</name>
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    <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://kulturplatz.blog.sf.tv/">
        <![CDATA[<p><img class="mt-image-none" height="284" alt="Münchner Kammerspiele (Foto: Andreas Pohlmann)" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/kammerspiel.gif" width="378" /></p>
<p>Ich stehe in meinem Zimmer, sitze in meinem Zimmer in München, das mir die Kammerspiele zur Verfügung stellen und für Sekunden habe ich den authentischen Eindruck, nicht nur im Zimmer sondern gleichzeitig auf den schwarzen Holzplanken der Bühne der Kammerspiele zu stehen oder zu sitzen. Nach der ersten AMA vor ein paar Stunden, d.h. nach der ersten Probe Alles-Mit-Allem, mit Kostüm, Maske, Licht, Ton usw. war ich im Englischen Garten spazieren und bin jetzt zurück in meinem Zimmer und ... gleichzeitig auf der Bühne der Kammerspiele - da habe ich wohl irgendwas von dem Alles-Mit-Allem mit nach Hause genommen. Es fühlt sich an wie Schwindel. Nicht unangenehm, mir ist nicht schlecht, der helle Holzboden meines Zimmers ist schwarz wie der Bühnenboden und dreht sich langsam - oder der Raum dreht sich oder ich drehe mich ... . Das kommt davon, denke ich, wenn man mit Drehbühne und gleichzeitig ohne festgelegtes Stück oder festgelegten Text arbeitet. Wir stehen mit der Produktion Bonnie&amp;Clyde kurz vor der Premiere und haben zwei Monate Proben, Beschäftigung mit einem Filmstoff hinter uns und sind mittlerweile jeden Tag auf der Originalbühne, die sich im Verlauf des Stückes öfter dreht, mal schnell, mal langsam, links rum, rechts rum. Die „Hardware" dreht sich und die „Software" besteht aus einem Film, aus bewegten Bildern also, aus dreidimensionalen Eindrücken. Da ist es kein Wunder, dass sich auch die Privatsphäre mal dreht und bewegt. Normalerweise arbeitet man am Theater mit Text als Grundlage.</p>
<p><br />Text vermittelt Linearität, das Gefühl von Geschichte. Damit sind wir vertraut. Text erklärt uns, in welcher Geschichte wir uns befinden. Diese Grundlage haben wir bei Bonnie&amp;Clyde nicht. Der Film bildet unseren Bezugsrahmen, er ist offen und grenzenlos. Vielleicht stehe ich deswegen schwindlig im Zimmer; weil mir&nbsp; der gewohnte Boden fehlt; weil die gewohnte Sicherheit schwindet. Schwindel. Vielleicht ist mir auch nur schwindlig vom vielen Schwindel-Produzieren.</p>
<p><br />Dafür werde ich bezahlt. Die Zuschauer bezahlen ja dafür beschwindelt zu werden, schwindlig gemacht zu werden. Sie bezahlen dafür, dass wir ihren Alltag schwinden machen. Und ehrlich gesagt, finde ich auch, dass es nicht nur etwas Bestechendes hat, zu schwindeln, sondern&nbsp; auch reizvoll ist, beschwindelt zu werden. Solange es charmant geschieht. Ich glaube sogar, dass wir Menschen beschwindelt werden wollen, solange es nicht weh tut. Nach Slavoj Zizek in „The Pervert's Guide To Cinema" ist es so, dass „die ultimative Aussage der Psychoanalyse (die) ist, dass Gefühle selbst betrügerisch sind. Es gibt keine speziell falschen Gefühle, denn, wie Freud es genau darlegt, das einzige Gefühl, das nicht betrügerisch ist, ist die Ängstlichkeit. Alle anderen Gefühle sind falsch." Da wäre es nur einleuchtend auf Schwindel, anstatt auf Ängstlichkeit zu setzen. Schwindel. Vielleicht beschreibt Schwindel auch nur den Übergang oder Wechsel von einem Bewusstseinszustand in einen andern. Dazu fällt mir Albert Hofmann ein, der die Psyche des Menschen anschaulich als Radioempfänger beschrieben hat, mit dem wir in der Regel auf einer für alle ähnlichen Frequenz eine in etwa gleiche Sendung empfangen. Es sei aber möglich, durch Frequenzwechsel andere, neue und aussergewöhnliche Sendungen zu empfangen. Er meinte damit, dass es durchaus möglich sei, andere als die tradierte und für uns gewohnte Realität wahrzunehmen. Schwindel. Schwindeln. Schwinden ... .</p>
<p>Ich verschwinde jetzt als Gastblogger von kulturplatz und möchte mich bedanken bei allen, die sich die Zeit genommen haben, meine Blogs zu lesen.</p>]]>
        
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    <title>SEHNSUCHT</title>
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    <published>2010-02-01T16:38:10Z</published>
    <updated>2010-02-01T16:44:45Z</updated>

    <summary> Der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek sagt in „The Pervert&apos;s Guide To Cinema&quot;, seinem unterhaltsamen und lohnenswerten dreiteiligen Filmbeitrag zur Kunstgattung Kino:„Sehnsucht ist eine Verletzung der Realität.&quot; Bedeutet uns Sehnsucht demnach, dass die Realität nicht heil ist, dass ihr...</summary>
    <author>
        <name>Michael Neuenschwander</name>
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        <![CDATA[<p><img class="mt-image-none" height="550" alt="Slavoj Zizek" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/Slavoj_Zizek.gif" width="378" /></p>
<p>Der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek sagt in „The Pervert's Guide To Cinema", seinem unterhaltsamen und lohnenswerten dreiteiligen Filmbeitrag zur Kunstgattung Kino:„Sehnsucht ist eine Verletzung der Realität." Bedeutet uns Sehnsucht demnach, dass die Realität nicht heil ist, dass ihr etwas fehlt? Etwas wie eine Wunde, die juckt und die wir gerne immer wieder aufkratzen, bevor sie ganz verheilt? „Die Kunst des Kinos besteht darin, Sehnsucht zu generieren, mit der Sehnsucht zu spielen. Sie aber gleichzeitig in sicherer Entfernung zu halten, sie zu zähmen, sie deutlich werden zu lassen." </p>
<p>Der Film Bonnie&amp;Clyde spielt mit der Sehnsucht, durch ein wildes und verrücktes Leben und einen spektakulären Tod, in Erinnerung zu bleiben - unsterblich werden und dann sterben! Wir steuern bei unserer Inszenierung auf das Ende zu. Wie werden wir diese Reise zu Ende bringen? Wie werden Bonnie&amp;Clyde an den Münchner Kammerspielen sterben? Ich weiss es nicht. Ich gehe davon aus, dass wir weiter wie bisher auf den Proben improvisieren und diskutieren werden, erkunden und erforschen, welche Texte, Spielformen, Musik, Räume, Fantasien sich als richtig erweisen und zusammen passen, um diese Geschichte zu Ende zu erzählen. </p>
<p>Zu unserer Arbeitsweise und Inszenierung fällt mir noch mal Slavoj Zizek in „The Pervert's Guide To Cinema" ein (als er Gemeinsamkeiten zwischen den Werken einiger grosser Filmregisseure erläutert, ohne unsere Arbeit in irgendeiner Weise mit diesen Meistern vergleichen zu wollen):„Meiner Ansicht nach haben wir es hier mit einer Art filmischem (in unserem Fall: theatralischem) Materialismus zu tun, dass wir unter der Bedeutungsebene, spiritueller Bedeutung, aber auch einfacher narrativer Bedeutung, eine grundlegendere Ebene von eigentlichen Formen finden, die miteinander kommunizieren, interagieren, hallen und widerhallen, sich verwandeln und ineinander übergehen. Und dieser Hintergrund, dieser Hintergrund einer Proto-Realität ist etwas Reales, das dichter und fundamentaler ist als die narrative Realität, die Geschichte, der wir zusehen. Das ist es, was die wahre Dichte des filmischen (theatralischen) Erlebens liefert."</p>
<p>Dieser Hintergrund wird bei uns geprägt durch den persönlichen Einsatz aller Beteiligten auf, hinter und vor der Bühne. Natürlich spielt das in jeder Theaterarbeit eine Rolle und ist bei jeder einzelnen Aufführung präsent und spürbar. Je empfänglicher und neugieriger wir allerdings mit den verschiedenen Formen während der Proben umgehen - mit den unterschiedlichen Auffassungen der Schauspieler zum Stück, den unterschiedlichen Arten zu spielen, der individuellen Scham, dem individuellen Wagnis etc. - mithin der oben erwähnten Proto-Realität, desto stärker wird sie den Theaterabend prägen. Ich kann sagen, dass bei unseren Proben dieser Neugier eine grosse Wichtigkeit zukommt und das gefällt mir gut. Es ist, als ob wir eine Reise gebucht hätten, ohne zu wissen, wo genau sie uns hinführt - also keine Pauschalreise. Wir erkunden die Reiseroute, die Wege, die Hindernisse, die Geologien, die Klimabedingungen usw. und die Destination während wir unterwegs sind. Das ist alles nicht ohne Risiko, aber es ist aufregend und passt zum Stoff, den wir auf die Bühne bringen: Bonnie&amp;Clyde. No risk, no fun!</p>
<p>„Unser Problem lautet nicht: Werden unsere Sehnsüchte befriedigt? Das Problem lautet: Woher wissen wir, was wir ersehnen? Menschliche Sehnsucht ist nichts Spontanes, nichts Natürliches. Unsere Sehnsucht ist künstlich. Man muss uns beibringen, uns nach etwas zu sehnen. Das Kino ist letztlich eine völlig perverse Kunstform. Es gibt einem nicht, was man sich wünscht, sondern lehrt die Sehnsucht." Ich glaube, dass das, was&nbsp; Slavoj Zizek über Kino sagt, in gewisser Weise für jede Kunstgattung gilt, sei es Musik, bildende oder darstellende Kunst. Wenn eine Theateraufführung beim Zuschauer echte Sehnsucht weckt, dann ist viel gelungen.<br /></p>]]>
        
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    <title>Mehr Reisen</title>
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    <id>tag:kulturplatz.blog.sf.tv,2010://5.36343</id>

    <published>2010-01-26T05:33:12Z</published>
    <updated>2010-02-01T07:40:01Z</updated>

    <summary><![CDATA[Samstag, 23.01.2010 München - Basel: Unterwegs im Zug zwischen Ulm und dem Bodensee... Seit gestern sind wir mit „Bonnie &amp; Clyde" nicht mehr auf der Probebühne, sondern auf der Originalbühne der&nbsp; Münchner Kammerspiele und wir spüren, dass die Premiere näher...]]></summary>
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        <name>Michael Neuenschwander</name>
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        <![CDATA[<p>Samstag, 23.01.2010 München - Basel:</p>
<p>Unterwegs im Zug zwischen Ulm und dem Bodensee... Seit gestern sind wir mit „Bonnie &amp; Clyde" nicht mehr auf der Probebühne, sondern auf der Originalbühne der&nbsp; Münchner Kammerspiele und wir spüren, dass die Premiere näher rückt, und so fehlte mir die Zeit, diesen Blog noch vor dem Wochenende fertig zu schreiben. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Donnerstag, 21.01.2010 Nach der Probe „Sterbeszene Buck Barrow":</p>
<p>... von München kommend unterwegs im Intercity zwischen Flughafen Zürich und Solothurn. Schönes Reisewetter, Sonne, leicht verschneite Landschaft... . Ich bin gerne im Zug unterwegs. Oft lerne ich Text im Zug, weil's mir leichter fällt, wenn ich unterwegs bin. Andere lernen Text in einer Kneipe, mit viel Betrieb und lebhaften Menschen um sich rum. Ich bevorzuge die Bewegung. Meistens bin ich dabei allerdings zu Fuss unterwegs, gerne auch in der Natur. Textlernen wird so zu einem körperlichen Vorgang. Das hilft mir, dem Sprachrhythmus auf die Schliche zu kommen. So habe ich auch heute früh für „Bucks" Sterbe-Szene in „Bonnie &amp; Clyde" meinen Text gelernt. Buck Barrow, den ich spiele, ist Clyde's Bruder und der Erste aus der Bande, der im Kugelhagel der Polizei stirbt. Kugelhagel und Schiesserei auf der Bühne sind meistens fragwürdig und eher lächerlich. Im Film ist das einfacher, nicht nur weil man technisch „schummeln" kann, sondern, weil Film eben, wie John Berger sagt, den Zuschauer woandershin, in eine andere Realität entführt. Film suggeriert in der Regel Realität. Das ist im Theater so nicht möglich und deswegen suchen wir für Schiesserei und Flucht vor der Polizei eher nach einer Verfremdung. Möglicherweise wird aber dann wichtig sein, die Folge der Schiesserei, nämlich das Sterben, emotional zu spielen. Buck wird in Clyde's Armen sterben. Um das ernsthaft probieren zu können, muss ich den Text frei zur Verfügung haben und kann mich nicht dauernd an den Souffleur wenden - also machte ich mich heute früh auf zu einem Spaziergang durch München. Um diese Zeit ist München wunderbar wie jede erwachende Stadt. Alles noch ziemlich ruhig. Menschen, die schon unterwegs sind, schauen in der Regel frisch aus, haben den Tag noch vor sich. Eine gewisse Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit liegt noch in der Luft. Das hilft mir, mich zu orientieren und auf den Text zu konzentrieren.</p>
<p><img class="mt-image-none" height="378" alt="Christof Schertenleib in Solothurn" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/20100121SolothurnerFilmtage0396.jpg" width="251" /></p>
<p><img class="mt-image-none" height="251" alt="Cast und Crew von Zwerge sprengen" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/20100121SolothurnerFilmtage0476.jpg" width="378" />&nbsp;</p>
<p>Freitag, 22.01.2010 nach der Premiere von „Zwerge Sprengen":</p>
<p>... wieder im Zug von Solothurn zurück nach München ... . Die Premiere von „Zwerge Sprengen" gestern Abend war hervorragend! Es hat grossen Spass gemacht! Bisher hatte ich erst einen frühen Rohschnitt und den auch nur auf einem Bildschirm gesehen. Die Wirkung auf der grossen Leinwand ist unvergleichlich besser. Und das Publikum in Solothurn war toll! Ich hatte den Eindruck, die Zuschauer gingen voll mit den Doppel- und Dreifachbödigkeiten unserer Geschichte und mit dem Witz von Christofs Dialogen. Es wurde geschmunzelt und gelacht, manchmal auch an Stellen, die ich während des Drehs überhaupt nicht komisch fand, und zum Schluss gab's langen und kräftigen Applaus - was will man mehr! „Zwerge Sprengen" ist ein richtig schöner Schweizer Film geworden. Christof Schertenleib führt den Zuschauer unauffällig, schon fast hinterlistig durch eine Welt, die wir Schweizer gut kennen: Die heile Welt der Familie Schöni, in der Freundlichkeit auch schon mal aggressiv eingesetzt wird und sich Toleranz mitunter als Scheintoleranz entpuppt. „Ein Schweizer Film mit Charme und Schalk ..." - „Wieder mal ein Schweizer Film mit Leichtigkeit und Humor ..." - herrlich, das habe ich gestern Abend nach der Premiere oft gehört, und besser könnte ich selbst den Film nicht charakterisieren - "Französische Leichtigkeit ...". </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="mt-image-none" height="378" alt="Christof Schertenleib" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/20100121SolothurnerFilmtage0813.jpg" width="251" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="mt-image-none" height="378" alt="Michael Neuenschwander" src="http://kulturplatz.blog.sf.tv/20100121SolothurnerFilmtage0794.jpg" width="302" /></p>
<p>Die Stimmung anschliessend bei der Eröffnungsparty war heiter und angeregt, alle waren gut gelaunt. Max Gertsch und ich, die wir die beiden Brüder im Zentrum der Geschichte spielen, wiederholten für die Fotografen ein paar Mal unser Rauchritual aus dem Film ... . Alles mit ein bisschen rotem Teppich aber nicht zuviel und in Gesellschaft der Kollegen, die ich zuletzt im September 2008 beim Dreh gesehen hatte ... . Die Reise nach Solothurn hat sich gelohnt. Jetzt sitze ich wieder im Zug nach Zürich Flughafen ... .</p>
<p>Beim Abschied&nbsp;am nächsten Morgen war Solothurn nichts mehr von der gestrigen Festivalstimmung anzumerken - oder noch nicht: ein paar Festivaltage mehr voller Filme und Cinéasten und Cinéphilen werden ohne Zweifel ihren Eindruck hinterlassen.<br /></p>]]>
        
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