Was ist Kunst?
Am letzten Donnerstag gab's eine Sitzung mit Historikern der Universitäten Zürich und Fribourg. Sie sind daran, die Geschichte von Pro Helvetia aufzuarbeiten. Wenn alles gut geht, erscheint Ende 2009 ein Buch.
Der Workshop diente dazu, die zentralen Fragestellungen für das Projekt zu erarbeiten. Natürlich war eine Menge die Rede von den verschiedenen Funktionen, die Pro Helvetia in den 70 Jahren ihrer Existenz einnahm. Die Schlüsselfunktion aber war und ist noch immer, zu bestimmen, was Kunst sei.
Ich weiss nicht mehr, wer den Satz einbrachte, aber er liess alle einen Moment den Atem anhalten. Ja, so einfach ist es wohl: Die Stiftung wurde in die Welt gesetzt, um einen Kunstbegriff zu generieren. Natürlich stand der in den 40er und 50er Jahren ganz im Zeichen der Schweizer Aussenpolitik, ab den 70ern löste er sich zunehmend von der Offizialität ab, die Definitionsmacht ging an die Kulturschaffenden über, welche bei Pro Helvetia das Ruder übernahmen. Der Kunstbegriff wechselte also von offiziell zu informell. In den Bildern ein kleine Ahnung vom Übergang...




Aber noch immer setzt Pro Helvetia Massstäbe, ob sie will oder nicht. Nur daran kann es liegen, dass eine Stiftung mit 33 Mio. Franken brutto - viele private Stiftungen schütten jährlich grössere Beträge aus - so im Rampenlicht steht, dass jede ihrer Zuckungen in eine politische Erschütterung übergeht.
1949 waren es 35 Stiftungsräte, meist Alt-Politiker und Professoren, welche den Common Sense verteidigten. Seit 2002 sind es noch 25 Veranstalter und Kritiker, welche Vielfalt vertreten. Der Kunstbegriff hat sich in 50 Jahren mächtig erweitert, auf die eine Schweizer Kultur der Nachkriegszeit folgten Moderne und Postmoderne mit ihren Begriffserweiterungen: Kunst ist heute - das meiste.
Das künftige Kulturförderungsgesetz redet noch von 9 Stiftungsräten. Ob so eine Eingrenzung dessen, was Kunst ist, wieder möglich ist? Oder fallen Kunst und Leben bald zusammen: Kunst als Auflösung der Grenzen? Wird der Globus einmal das ultimative Kunstwerk heissen? Und Kulturförderung deshalb überflüssig?

















