23.4.2009 00:35

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Funky Neighbourhood

Letzten Freitag sind wir an die Ursulines Avenue umgezogen. Die Warnungen im Internet sind leider nicht ganz unbegründet, wir wohnen nun in einem schmutzigen Stundenhotel und sind nur zum Schlafen im Zimmer. Am meisten machen die Kakerlaken und Bröselteppiche unseren mitgereisten Partnerinnen zu schaffen. Wir anderen haben das Jahr in Äthiopien begonnen und sind in Sachen Komfort nicht so leicht zu erschrecken. Die Umgebung soll furchtbar gefährlich sein, man hat uns bereits auf die Tatorte der letzten Morde aufmerksam gemacht.

Die "funky neighbourhood" hat aber auch ihr Gutes: Am Samstag hörten wir in der Nähe des Hotels den Lärm einer Soulband und verirrten uns deshalb an ein Kleinstfestival in unserer Nachbarschaft.

Wir wurden nicht niedergmetzelt, sondern waren herzlich willkommen. Die Band im Hinterhof hatte zwei Hauptsänger sowie diverse Gastsänger und -Sängerinnen, die einander die Mikrofone weiterreichten. Als auffällige Fremdlinge wurden auch wir sofort in die Pflicht genommen und mussten in diversen Sing- und Tanzwettbewerben den Beifall oder Spott des Publikums über uns ergehen lassen.

Als immer mehr Männer in schicken blauen Kavallerieuniformen inklusive gelbem Halstuch auftauchten, merkten wir, dass sich zwei Häuser weiter eine Wanderaustellung der "Buffalo Soldiers" befand.

Boni und Sibylle auf der Gewinnerseite des Sezessionskrieges

Die Buffalo Soldiers waren das erste schwarze Regiment der US-Armee. Einer der heutigen Offiziere beschwor in einer Ansprache ihre glorreiche Geschichte seit der Gründung nach dem Bürgerkrieg 1866 und betonte, sein Verein sei in keinerlei Massaker an der indianischen Urbevölkerung verwickelt gewesen. Obwohl sich niemand von uns für Militärkram erwärmen kann, konnten wir es uns natürlich nicht verklemmen, mit einem der anwesenden Helden zu posieren.

Schtärneföifi als Star 5 am Ufer des Mississippi

Gestern war unser erstes Konzert mit Schtärneföifi auf amerikanischem Boden. Anlässlich des dreitägigen French Quarter Festivals hatten wir einen 45minütigen Auftritt auf der "Kids-Stage" direkt am Mississippi vor malerischer Kulisse. Während wir unser Set spielten, tuckerten hinter uns Lastkähne, Autofähren und sogar der stolze Raddampfer "Natchez" vorbei. Leider beschränkte sich unser Publikum auf nur etwa hundert Nasen, aber die immerhin hatten ihren Spass. "Heicho" war nach Hause zurückgekehrt.



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20.4.2009 10:13

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Knock on wood

Cups und Schtärneföifi zusammen im Studio

Draussen ist traumhaftes Frühlingswetter, aber es ist unser zweitletzter Studiotag. Wir sind weiter gekommen als wir uns erhofft haben. Es fehlen nur noch Perkussionsspuren und ein paar Gesänge, das sollte in der verbleibenden Zeit gut zu bewältigen sein. Morgen abend werden wir sechs Lieder im Kasten haben, eines davon unsere neue Version von "Heicho". Darauf zu hören sind Barbara Ann Hawkins, Rosa Lee Hawkins und Athelgra Neville, besser bekannt als die "Dixie Cups". Das Treffen mit den drei Sängerinnen letzten Montag war ein grosses Vergnügen, und nachdem man sich ein wenig kennengelernt und Geschenke ausgetauscht hatte, waren die Dixie Cups sogar bereit, einen Crash-Kurs in Zürichdeutsch zu absolvieren. Das Resultat sind fast akzentfrei gesungene Refrains: "Heiko, eisandoré undan ohni Schnackt is Bett". Wir sind begeistert von diesen Aufnahmen.

Nach getaner Arbeit musste niemand hungrig ins Bett, denn wir gingen alle zusammen noch in ein afrikanisches Esslokal an der Royal Street. Athelgra erzählte diverse umwerfende Witze, zum Beispiel diesen über drei ältere Ladies (!): Drei Schwestern, eine 92, die zweite 94 und die dritte 96 Jahre alt, leben seit Ewigkeiten miteinander in ihrem Haus. Die Aelteste will ein Bad nehmen, doch als sie mit einem Bein schon in der Wanne ist, weiss sie nicht mehr, ob sie jetzt gerade am Einsteigen oder am Aussteigen ist. Sie ruft ihre jüngere Schwester im unteren Stockwerk, doch auf halbem Weg nach oben stutzt diese und fragt sich: "Wollte ich eigentlich die Treppe hinauf oder hinunter?" Also ruft sie die Jüngste zu Hilfe, die im Wohnzimmer am Esstisch sitzt. Diese verdreht die Augen und klopft auf Holz, in der Hoffnung, nicht auch so vergesslich zu werden wie ihre älteren Schwestern. Dann ruft sie in Richtung Obergeschoss: "Ich komme gleich, ich muss nur noch zuerst nachsehen, wer an der Tür geklopft hat." (Natürlich war es im englischen Originalton etwas lustiger)

Das signierte Originalcover von

Als die Damen schliesslich Anekdoten aus ihrer langen Karriere zum Besten gaben, wurde es zwischendurch auch ein wenig traurig. Die meisten Bands, mit denen sie früher zusammen unterwegs waren, existieren nicht mehr, und viele ihrer Mitglieder sind bereits gestorben. So auch Addie Harris von den Shirelles, deren Hit "Will you still love me tomorrow?" die Dixie Cups noch immer in ihrem Bühnenprogramm haben. Sie brauchen für dieses Lied allerdings weder Bühne noch Mikrofone, Barbara, Rosa und Athelgra sangen es nach dem Essen einfach so am Tisch: "Tonight you're mine completly, you give your love so sweetly, tonight the light of love is in your eyes, but will you love me tomorrow...." Nachdem der letzte Refrain verklungen war, applaudierte das ganze Lokal.
Nach einem kurzen Besuch bei uns zuhause in der Chartres Street war es Zeit zum Abschiednehmen. Barbara und Rosa wohnen seit der Verwüstung von New Orleans durch den Wirbelsturm Katrina nicht mehr hier, sondern in Tampa (Florida) und mussten am nächsten Tag dahin zurückreisen. Ich hoffe, dass die Dixie Cups bald einmal einen Abstecher in die Schweiz machen und wir Gelegenheit bekommen, sie live auf der Bühne zu sehen.

Morgen ist nicht nur unsere Studiozeit um. Leider müssen wir dann auch unser komfortables Haus räumen und in ein Hotel umziehen, dass unser Bassist und Manager Jean Zuber vor einigen Wochen von Zürich aus gebucht hat. Es war so ziemlich die letzte Möglichkeit, uns alle noch unterzubringen, deshalb durfte er sich durch die vernichtenden Bewertungen im Internet nicht beeindrucken lassen. "Run for your life!" lautete der erste Kommentar zum Empress Hotel in der Ursulines Avenue, und die meisten anderen waren nicht viel positiver. Sogar unsere neuen einheimischen Bekannten reden - auf unsere zukünftige Adresse angesprochen - von "funky neighbourhood" oder von einem "crack whore place"... Morgen wissen wir es dann genauer. Viel mehr als einen Platz zum Schlafen brauchen wir ja glücklicherweise nicht.



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