Date mit der tollsten Person des Universums
Heute startet mein Film in den deutschschweizer Kinos, und ich fühle mich in etwa wie vor dem ersten Date mit der tollsten Person des Universums, wenn man, anstatt sich ordentlich zu freuen, dauernd alle Katastrophenszenarien durchspielt. Ich werde kleckern, dann umfallen oder erst umfallen und dann kleckern, ausserdem bin ich zu dick, und was, wenn er plötzlich anfängt, von Wittgenstein zu sprechen? Merkt er dann, wie ungebildet ich bin? So bin ich seit gestern überzeugt davon, dass kein Schwein meinen Film schauen wird. NIEMAND. Vielleicht sitzt einer drin, der eigentlich in "Pirates of the Caribbean" wollte, sich aber im Saal irrte. Oder jemand, der keine Freunde hat. Oder Johnny Depp, der einfach mal allein sein will. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Inzwischen habe ich so ziemlich jeden Alptraum durchgespielt. Darin wurde ich wahlweise an den Zuschauerpranger für Regisseurinnen mit besonders igitten Filmen gestellt, von meinen Produzenten gesteinigt oder schlicht ausgebürgert. An einen möglichen guten Ausgang des Dates wagt man in solch einem Moment einfach noch nicht zu denken. Weil man wirklich zu dick ist. Und zu ungebildet. Und unlustig...
Ich mag keine Frauen, die:
Ich bin ein Fan der Luzerner Rockband "Mothers Pride". Mit Tobi Gmür, dem Sänger und Gitarristen, habe ich in der Nähe des Bundesplatzes, in einer von ihm vorgeschlagenen Bar, abgemacht. Er zeigte mir ein Bild seiner neuen Freundin und erzählte mir, er sei seit zwölf Jahren nicht mehr so verliebt gewesen. Ich fragte ihn, ob er für sie ein Liebeslied schreiben werde, was zu einer mehrstündigen, in die Luzerner Nacht hinein führenden Diskussion wurde, was ein gutes Liebeslied ausmacht oder eben nicht.
Ich schlug ihm vor, ein Lied zu schreiben, in dem in den Strophen, die Eigenschaften von Frauen benannt werden, die den Männern ein Gräuel sind, und dann einen Refrain zu bauen, mit den Worten à la: „Aber so bist Du nicht, deshalb liebe ich Dich." Die Idee hat uns beide gepackt. Unsere bisherigen Feststellungen solcher Eigenschaften sprudelten sofort wie eine nimmer versiegende Quelle aus uns heraus. Tobi glaubte an dem Abend, bereits die passende Melodie zu hören. Damit dem Hit nichts mehr im Wege steht, habe ich ihm versprochen, die Gedanken ein paar Tage später, ausgereift auf Papier, zu schicken. Meine beiden Lektoren in dieser Sache, Frau Fischer und Tom Gerber, ebenfalls angesteckt von der Idee, haben noch einige eigene Betrachtungen beigesteuert. Tobi wird nun in einem weiteren Schritt die besten und lustigsten Vorschläge in eine Versform bringen und den fertigen Song vielleicht schon bald für seine Liebste auf der Bühne singen. Als sein Fan würde ich mich darüber natürlich riesig freuen.
Ich mag keine Frauen, die:
Einen Rucksack tragen,
Slipeinlagen verwenden,
geizig und humorlos sind, mir mit verschränkten Armen gegenübersitzen
und nie ein offenes Dekolleté zeigen.
Nie betrunken sind und alles unter Kontrolle haben,
nie Parkbussen bekommen und langweilige Unterwäsche tragen.
Müde ins Bett kommen,
immer frieren und nur Salat essen,
Überraschungen nicht mögen und Coelho lesen.
Bunte Bettwäsche haben und sonntags immer Leute zum Brunch einladen.
Kuscheln und langes Vorspiel wollen,
kein Fleisch essen.
Fan sind von schlechten, aber gut aussehenden Rockmusikern.
Eingeschnappt sind, wenn man mit anderen Frauen flirtet.
Immer auf ihr Händy schauen und nie etwas vergessen.
Keine Phantasie haben und immer zu spät kommen.
Spätnachts nicht mitkommen einen Kebab essen.
Die gerne Aktivsportferien machen, aber nicht gerne tanzen.
Originelle Duschvorhänge haben.
Immer Sushi essen gehen wollen.
Ringhörige Untermieter haben.
Sich an einer Party schnell langweilen und früh nach Hause wollen.
Am Morgen schlechte Laune haben.
Nicht nur vor sondern auch nach der Mens schnell reizbar sind.
Am Sonntag spazieren wollen und sagen: "Mir sind hüt no gar nöd verusse gsie"
Sagen: „Du interessierst Dich überhaupt nicht für meine Freunde".
Beim Kauf eines Sofas in der Ikea auch noch Rechaud- und Duftkerzen kaufen.
Sich fragen: „Warum können nicht alle Männer so wie Hugh Grant sein?"
Nur so tun, als ob sie eine Laktose-Insuffizienz haben, damit sie permanent Soja-Milch trinken können.
Mich daran erinnern, dass übermorgen Kartonsammlung ist.
Im Restaurant kein Dessert bestellen, weil sie denken sie sind zu dick, und dann doch mehr als die Hälfte von meinem Dessert essen.
Sich schämen im Schauspielhaus in der Pause wegzuschleichen, obwohl das Stück grottenschlecht ist.
In meiner Browser-History nach Pornoseiten suchen.
Meinen, dass nur Prostituierte gerne Blowjobs gäben.
Sich während einem Action Film fragen, ob man diese Konflikte nicht auch mit Diskussionen lösen könnte.
Den Unterschied zwischen Star Wars und Star Treck nicht kennen.
Im Yogakurs ganz entspannt einen Furz fahren lassen.
Denken, dass Computerspiele immer noch so aussehen wie Pac-Man und nur etwas für 12-Jährige seien.
Für absolute Gleichberechtigung sind, im Restaurant dann aber doch immer mich zahlen lassen.
Ein T-Shirt mit „Tüüfeli" drauf tragen, dann aber doch schüchtern und langweilig sind.
Lieber Greys Anatomie als Breaking Bad schauen (oder irgendeine coole Fernsehserie, z.B. „Sopranos" whatever...).
Beim Sex immer nur Sigur Ros hören wollen.
Mir zum Geburtstag absichtlich hässliche Pullis schenken, damit sich keine anderen Frauen für mich interessieren.
Kein Deo und Parfüm benutzen, weil dass der Haut schade.
Mich fragen, ob ich in diesem Bett auch schon Sex mit meiner Ex-Freundin gehabt habe.
Keine Comics lesen, weil sie das kindisch finden.
Wie Carla del Ponte aussehen.
Selbstgehäkelte Wollsocken tragen, weil dann die Füsse besser atmen können.
Soviel Make-up benutzen, dass sie nach dem Abschminken ein halbes Kilo leichter sind.
In der Nacht lauter schnarchen als ich selber.
Ein viel zu enges Bikini anprobieren und dann beleidigt sind, wenn ich ehrlich meine Meinung dazu sage.
Von der NZZ am Sonntag immer nur den Stilbund lesen.
Ref. (in etwa) Aber so bisch Du nöd, all das machsch Du nöd, drum han ich Dich so gern.

















